Nebelmeer in der Abenddämmerung

Appenzell und kein bisschen Alpenbitter

Nun, 2016 führten mich gleich zwei Reisen ins Appenzellerland. Genau gesagt in den Kuhfladen, also nach Ausserrhoden (das Goldstück im Kuhfladen ist Innerrhoden, also zum Beispiel der Ort Appenzell selbst, aber dazu später).

Die erste Reise ging zum Erlebnis Waldegg in den Tintelompe. Es war eine Reise in die Vergangenheit und zwar gleich zweifach. Erstens, weil es ein Klassentreffen unserer Primarschulklasse war. Und zweitens, weil der Tintelompe ein Schulzimmer aus den 30er-Jahren im Appenzell ist. Nicht, dass ich so alt bin oder im Appenzell aufgewachsen wäre, aber als Ort für ein Klassentreffen ist es einfach nur genial. Wir wurden vom Lehrer Fritz Habersack begrüsst. Nein, falsch: WIR mussten den Herrn Lehrer Habersack begrüssen. Wie früher halt. Dann bekamen wir Namensschildli umgehängt, waren plötzlich eine Frieda, ein Fritzli, eine Lisa, ein Joggeli, ein Zischgeli oder ein Gottlieb. Und anschliessend wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt, in die Schlauen und die Oberschlauen. Anschliessend galt es, Fragen zum Kanton Appenzell und zu seiner Sprache (aase schwär) zu beantworten, Rechenaufgaben im Kopf (sic!) zu lösen, Lieder zu singen (Min Vatter ischt en …) und schön Schnürlischrift zu schreiben. Und wenn der Schnellere auch der Geschwindere war und sogar richtig lag, gabs Punkte. (Gewonnen haben zum Schluss die Schlauen.)

Dazwischen gabs Pausen, in denen wir am Platz Essen serviert bekamen, also von denen, die ein Ämtli gefasst hatten: zum Beispiel Hochzeitssuppe schöpfen, Teller abräumen, Salat servieren … die wunderbaren Schweinsschnitzel auftragen und so weiter…

Wir gingen sogar auf einen kleinen Ausflug, in Zweierreihe, in den Stall zu den anderen Eseln und Hühnern. Und in die Backstube vom Ziträdli, in den Chrömerladen, zum Goafeur und sogar zu den Sauen. Denn all das findet man in diesem Erlebnis Waldegg. Und wahrscheinlich noch viel mehr.

Ach ja, weil wir alle so brav waren, gabs zum Abschied noch musikalische Unterhaltung mit einem Hackbrettspieler in Originaltracht.

Die zweite Reise führte uns Ende Dezember auf die Schwägalp, genau gesagt ins Hotel Säntis. Wir verbrachten dort unsere fast schon zur Gewohnheit gewordene kleine Auszeit zwischen den Jahren. Normalerweise ist es ja so, dass spätestens am 2. Tag unserer Ferien der grosse Schnee einsetzt. Das war 2012 in Zuort so, 2013 in Ulrichen, 2014 in Flüeli-Ranft und 2015 (also im Januar 2016) in St. Luc. Doch auf der Schwägalp fiel kein Schnee. Auch sonst in der Schweiz nirgends. Chame nüt mache.

Wir gelangten mit RBS, SBB (entlang der Goldküste bis Pfäffikon), SOB (durchs Toggenburg) und Postauto bis vor den Hoteleingang. Das Hotel Säntis wurde ein Jahr zuvor eingeweiht und bietet all das, was wir so mögen: zeitgemässes Design und Wellnessbereich und in der Umgebung Spazierwege und Ausflugsmöglichkeiten. Unsere Junior-Suite (ist für uns Drei seit längerem der bevorzugte Zimmertyp, weil wir in einem Zimmer, meist mit abgetrennten Bereichen, gemütlich unterkommen können) war grosszügig, hatte sogar 2 Fernseher und einen dicken Vorhang zwischen Juniors Bereich uns unserem. Zudem Dusche/WC und Bad.

Nach einer Fotosafari durchs Hotel (das ja eigentlich eine Seilbahnstation mit integriertem Hotel ist), erkundeten wir die Umgebung. Der Laternliweg hinunter auf die Schwägalp faszinierte uns besonders, wurden doch kurz vor der Dämmerung kleine Öllampen aufgehängt (nein, nicht von Zwergen oder Heinzelmännchen, sondern von einem Mitarbeitenden auf seinem kleinen Traktor). Es war auch ohne Schnee romantisch. Wir genossen bei einem Glühwein die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse des Restaurants Passhöhe auf der Schwägalp und machten uns auf den Weg zurück ins Hotel.

Am kommenden Morgen gings hoch hinauf, mit der Gondel auf den Säntis zum Frühstück. Ja, dort hatte es ein wenig Schnee und Eis, dazu eine fantastische Aussicht und vorwitzige Bergdohlen.

Am folgenden Tag unternahmen wir noch einen Ausflug ins Postkartendorf Appenzell. Wir flanierten etwas, fotografierten und machten uns schon bald wieder auf den Rückweg, denn es war ordentlich kalt.

An den Nachmittagen entspannten wir in der Sauna und im Dampfbad sowie im Whirlpool und genossen die erholsame Aussicht von den Ruheliegen in den Wald. Sogar ein kleiner Kneippweg war dort, nach der Sauna schaffte sogar ich es, nur mit Bademantel bekleidet, rauszugehen. Brr.

Wir unternahmen nochmals einen Rundspaziergang und fanden auf dem Rückweg die Laternli-Bar, einen heimelig hergerichteten Schober mit netter Bedienung.

Und ja, natürlich darf im Appenzell auch ein Appenzeller Käsefondue nicht fehlen, wir genossen es im Restaurant Passhöhe in einer gemütlichen Appenzeller Stube. Vor dem Schlafengehen genehmigten wir uns vor dem prasselnden Kaminfeuer im Hotel ein Glas Wein (ich) und einen Appenzeller Whisky (er). Und fanden auch diese schneelose Auszeit im Kuhfladen sehr gelungen.

Gin und Whisky aus Appenzell

Gin und Whisky aus Appenzell

 

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