Valetta Waterfront

Einmal Maltesers, bitte!

Sie waren immer meine Lieblings-Schoko-Snacks, die haselnussgrossen, mit Schokolade überzogenen Crunchykugeln in der roten Packung. Luftig, leicht, locker, lecker. Warum sie Maltesers heissen? Ob sie was mit Malta zu tun haben? Eher nicht*. Aber als Einstieg in meinen Bericht über Malta funktionieren sie. Weil: Eigentlich ist auch diese kleine Mittelmeerinsel luftig, leicht, locker und lecker.

Luftig

Ja, es windet auf Malta. Wie ja auf jeder anderen Insel auch. Und eigentlich ist es wunderbar, wenn immer ein Lüftchen weht. Denn es kühlt. Und es befreit die Strassen von allem, was gemeinhin dort rumliegt: Plastikfolien, Zigarettenstummel, Papiertaschentücher. Und wahrscheinlich ist das genau der Grund, warum es auf Malta so wenig Abfalleimer hat. Gefühlt etwa 10: davon 5 am Flughafen und 5 im kleinen Park vor den Balluta Buildings in Sliema. (Nur am Rande: Malta nimmt bezüglich Abfallwirtschaft innerhalb der EU eine hintere Position ein…)

Leicht

Malta macht einem den Besuch wirklich leicht: Erstens sprechen alle Englisch und viele Italienisch, zweitens ist die Insel klein und drittens verfügt sie über ein für Touristen super funktionierendes Bussystem, sodass man die Insel auch ohne Auto gut bereisen kann. (Was beim herrschenden Linksverkehr und dem sehr hohen Verkehrsaufkommen einen nicht zu unterschätzenden Vorteil darstellt.)

Locker

Die Menschen auf Malta sind wirklich locker, gut drauf und sehr hilfsbereit. Wir wurden überall freundlich empfangen, wir erhielten Tipps für gute Restaurants, wir wurden zuvorkommend bedient und fühlten uns wirklich willkommen. Wir sind nun doch schon an einigen Orten (hauptsächlich in Europa) gewesen und wir haben im Grunde genommen immer gute Erfahrungen mit den Menschen vor Ort gemacht, aber Malta hat diesbezüglich alles übertroffen. Oder hast du schon mal von einem Parkwächter den Tipp für ein traditionelles Fest erhalten? Hier sein Tipp: Żejt iż-Żejtun. Das einmal im Jahr in Zejtun stattfindende Oliven-Erntedankfest entpuppte sich als einmaliges Erlebnis mit Re-Enactment-Show, lokalen Speisen, herausgeputzten Einheimischen und einer wunderbaren Stimmung. Mit ÖV erreichbar.

Lecker

Auf Malta kann man historisch bedingt italienisch, französisch, britisch, türkisch, arabisch und natürlich maltesisch (eine Mischung aus allem) essen. So genossen wir morgens entweder italienische Cornetti mit Americano con latte (sehr zu empfehlen das UC Cafè zum gemütlich Verweilen) oder französische Croissants mit Café au lait to go (fresh&frensh). Zwischendurch als Snack maltesische Pastizzi tal-piżelli (Blätterteigtaschen mit Erbsenfüllung) oder Ftira, das sind Sauerteigbrötchen in Bagelform, die mit Tomaten, Tomatenpaste oder Rohschinken belegt werden. Und abends maltesische Vorspeisenteller mit Bigilla (Bohnenpaste) und Kapunata, die klassischen Hauptspeisen Kaninchenragout (stuffat tal-fenek) und Tintenfischeintopf (Qarnita stuffat) (empfehlenswert Il Gozitan, keine Website, meine Tripadvisor-Bewertung), zum Dessert maltesischen Nougat (Qubbajt). Dann natürlich auch italienische Pasta und Pizza, türkischen Döner, Köfte und grilliertes Poulet sowie britische Fish’n’Chips. Na, läuft dir das Wasser schon im Munde zusammen? Dann ist Malta ein ausgezeichnetes Reiseziel für dich. (Wenn du noch zu wenig Englisch kannst, kannst dus übrigens in einer der vielen Sprachschulen in St. Julian’s lernen).

So. Jetzt hast du natürlich nur einen halben Überblick über die Insel. Die andere Hälfte liefere ich hier:

Malta ist karg

Die Wälder wurden schon von den Römern abgeholzt, seit da nicht wieder aufgeforstet. Und auch sonst ist die Landschaft mehrheitlich braun.

Bucht bei Cirkewwa

Bucht bei Cirkewwa

Malta ist eine mittelalterliche Festung

Valetta ist als Fort konzipiert, bevor es bebaut wurde, die alte Hauptstadt Mdina ist heute noch eine mittelalterliche Festung mit barocken Elementen (erdbebenbedingt). Beide Orte sind sehr spannend und auf jeden Fall einen Besuch mit Bummel durch Strassen und Gassen wert. Wer Geschichte mal anders als im Museum erleben möchte, kann zum Beispiel bei The Mdina Experience eine audio-visuelle Show mit 3D-Effekten buchen und dabei alles in Muttersprache hören. Gerade für Kinder praktisch. Ansonsten sind natürlich die St. John’s Co-Cathedral, das Archäologische Museum, die Casa Piccola Rocca und der Grossmeisterpalast in Valetta einen Besuch wert.

Befestigungsanlage in Vittoriosa

Befestigungsanlage in Vittoriosa

Malta hat ältere Megalithen als Stonehenge

Kann man im archäologischen Museum erfahren. Und könnte man auch sehen, wenn man mindestens 6 Wochen vor dem Besuch Online-Tickets für den Besuch der unterirdischen Tempelanlage Hypogeum ergattern hätte können. (Haben wir natürlich nicht realisiert…)

Malta ist nicht wirklich eine Badeinsel

Auf der nördlichen Seite der Halbinsel Sliema (Richtung Belluta) hat es einen langgezogenen felsigen Stadtstrand. Wir gingen wetterbedingt nicht dort baden (Sturm), erkundeten ihn nur kurz am ersten Abend und fotografierten danach die hohen Wellen. Baden waren wir an der Ramla Bay auf Gozo (schöne Bucht mit feinem rotem Sand und flachem Strand). Und natürlich in der blauen Lagune vor Comino – mit viieeeelen anderen auch. Aber ja, wenn man mit einem Ausflugsboot dahin schippert, muss man damit rechnen. Doch allein die Fahrt mit dem türkischen Schoner Fernandes II mit eigenem Koch an Bord war ein cooles Erlebnis.

Wer im Mittelmeerraum strandbaden möchte, findet mit Sicherheit auf Sardinien, Mallorca, Ibiza und in Griechenland, der Türkei (und Tunesien?) schönere Strände mit besserer Infrastruktur als auf Malta. Wer aber eine Städtereise mit Badeabstechern sucht, kommt auf Malta auf seine Kosten.

Maltesisch ist eine offizielle Amtssprache der EU

Beschrieben wird Maltesisch als dem alten Tunesisch sehr ähnlicher, sizilianisch-arabischer und maghrebinischer Dialekt, als eine latinisierte semitische Sprache. Konkret: Man hört darin italienische, französische, englische und arabische Wörter, jedoch hilft keine der Sprachen beim Verstehen des Maltesischen. Und sie wird lateinisch (nicht arabisch) geschrieben, es gibt jedoch einige Buchstaben mehr als im reinen lateinischen Alphabet.

Auf Malta werden täglich Kanonen abgefeuert

Jeden Tag um 12 Uhr und um 16 Uhr werden in Valetta von der Saluting Battery bei den Upper Barakka Gardens Kanonen in den Grand Harbour abgefeuert. Es handelt sich dabei um eine Re-Enactment-Show. Extra einen Eintritt würde ich nicht kaufen, aber mit etwas Glück erhascht man einen Blick durch die Menschenmassen. Hören tut mans auf jeden Fall.

Saluting Battery

Saluting Battery

Auf Malta gibt’s viele Balkone

Sie fallen auf, die farbigen Holzbalkone an den Häuserzeilen, sowohl in Valetta also auch in Sliema (und andernorts). Das Geheimnis: Man kann von innen auf die Strassen sehen, von aussen jedoch nicht. Und sie dienen der Lüftung.

Hotel, Strand und andere Tipps

Wir wohnten in Sliema, das ist ein eher ruhiger Stadtteil auf einer Halbinsel nördlich von Valetta, und dort im Palazzo Violetta (das kleine Hotel mit Pool können wir empfehlen, siehe meine Tripadvisor-Bewertung). Sliema ist sehr praktisch gelegen. Man gelangt zu Fuss innerhalb von je 10 Minuten an die beiden Promenaden dieser Halbinsel und damit zu Restaurants, Geschäften, Fähren und Ausflugsschiffen. Auch Haltestellen für die klimatisierten Busse, die einen rund um Sliema, nach Valletta (zentraler Busbahnhof) und über die ganze Insel bringen, sind um die Ecke. Durch die Strassen kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit laufen, wir fühlten uns immer sicher.

Sliema bei Valetta

Sliema bei Valetta

Schwimmen im Meer waren wir übrigens einmal auf Malta und zwar am hoteleigenen Felsenstrand des 5-Sterne-Komplexes The Westin Dragonara. Man kann dort einen Tageseintritt für 20 Euro pro Person kaufen, in dem die Benützung der Liegestühle und der WC-Anlage inbegriffen sind. Ausserdem bringen sehr nette Stewards bestellte Getränke und Kleinigkeiten an den Liegestuhl. Eine legere Bar und ein gediegenes Restaurant sind ebenfalls vorhanden. Warum wir uns das gönnten? Hauptsächlich wegen der WC-Anlage. Weil mir ein einmaliger Besuch einer öffentlichen Anstalt am öffentlichen Strand genügte. Wirklich eine Zumutung. Öfter waren wir wetterbedingt nicht baden, sonst hätten wir noch andere Strände ausprobiert.

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PS: Hier noch die Auflösung des *: Maltesers heissen so, weil sie aus Malters bei Luzern kommen …

Nebelmeer in der Abenddämmerung

Appenzell und kein bisschen Alpenbitter

Nun, 2016 führten mich gleich zwei Reisen ins Appenzellerland. Genau gesagt in den Kuhfladen, also nach Ausserrhoden (das Goldstück im Kuhfladen ist Innerrhoden, also zum Beispiel der Ort Appenzell selbst, aber dazu später).

Die erste Reise ging zum Erlebnis Waldegg in den Tintelompe. Es war eine Reise in die Vergangenheit und zwar gleich zweifach. Erstens, weil es ein Klassentreffen unserer Primarschulklasse war. Und zweitens, weil der Tintelompe ein Schulzimmer aus den 30er-Jahren im Appenzell ist. Nicht, dass ich so alt bin oder im Appenzell aufgewachsen wäre, aber als Ort für ein Klassentreffen ist es einfach nur genial. Wir wurden vom Lehrer Fritz Habersack begrüsst. Nein, falsch: WIR mussten den Herrn Lehrer Habersack begrüssen. Wie früher halt. Dann bekamen wir Namensschildli umgehängt, waren plötzlich eine Frieda, ein Fritzli, eine Lisa, ein Joggeli, ein Zischgeli oder ein Gottlieb. Und anschliessend wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt, in die Schlauen und die Oberschlauen. Anschliessend galt es, Fragen zum Kanton Appenzell und zu seiner Sprache (aase schwär) zu beantworten, Rechenaufgaben im Kopf (sic!) zu lösen, Lieder zu singen (Min Vatter ischt en …) und schön Schnürlischrift zu schreiben. Und wenn der Schnellere auch der Geschwindere war und sogar richtig lag, gabs Punkte. (Gewonnen haben zum Schluss die Schlauen.)

Dazwischen gabs Pausen, in denen wir am Platz Essen serviert bekamen, also von denen, die ein Ämtli gefasst hatten: zum Beispiel Hochzeitssuppe schöpfen, Teller abräumen, Salat servieren … die wunderbaren Schweinsschnitzel auftragen und so weiter…

Wir gingen sogar auf einen kleinen Ausflug, in Zweierreihe, in den Stall zu den anderen Eseln und Hühnern. Und in die Backstube vom Ziträdli, in den Chrömerladen, zum Goafeur und sogar zu den Sauen. Denn all das findet man in diesem Erlebnis Waldegg. Und wahrscheinlich noch viel mehr.

Ach ja, weil wir alle so brav waren, gabs zum Abschied noch musikalische Unterhaltung mit einem Hackbrettspieler in Originaltracht.

Die zweite Reise führte uns Ende Dezember auf die Schwägalp, genau gesagt ins Hotel Säntis. Wir verbrachten dort unsere fast schon zur Gewohnheit gewordene kleine Auszeit zwischen den Jahren. Normalerweise ist es ja so, dass spätestens am 2. Tag unserer Ferien der grosse Schnee einsetzt. Das war 2012 in Zuort so, 2013 in Ulrichen, 2014 in Flüeli-Ranft und 2015 (also im Januar 2016) in St. Luc. Doch auf der Schwägalp fiel kein Schnee. Auch sonst in der Schweiz nirgends. Chame nüt mache.

Wir gelangten mit RBS, SBB (entlang der Goldküste bis Pfäffikon), SOB (durchs Toggenburg) und Postauto bis vor den Hoteleingang. Das Hotel Säntis wurde ein Jahr zuvor eingeweiht und bietet all das, was wir so mögen: zeitgemässes Design und Wellnessbereich und in der Umgebung Spazierwege und Ausflugsmöglichkeiten. Unsere Junior-Suite (ist für uns Drei seit längerem der bevorzugte Zimmertyp, weil wir in einem Zimmer, meist mit abgetrennten Bereichen, gemütlich unterkommen können) war grosszügig, hatte sogar 2 Fernseher und einen dicken Vorhang zwischen Juniors Bereich uns unserem. Zudem Dusche/WC und Bad.

Nach einer Fotosafari durchs Hotel (das ja eigentlich eine Seilbahnstation mit integriertem Hotel ist), erkundeten wir die Umgebung. Der Laternliweg hinunter auf die Schwägalp faszinierte uns besonders, wurden doch kurz vor der Dämmerung kleine Öllampen aufgehängt (nein, nicht von Zwergen oder Heinzelmännchen, sondern von einem Mitarbeitenden auf seinem kleinen Traktor). Es war auch ohne Schnee romantisch. Wir genossen bei einem Glühwein die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse des Restaurants Passhöhe auf der Schwägalp und machten uns auf den Weg zurück ins Hotel.

Am kommenden Morgen gings hoch hinauf, mit der Gondel auf den Säntis zum Frühstück. Ja, dort hatte es ein wenig Schnee und Eis, dazu eine fantastische Aussicht und vorwitzige Bergdohlen.

Am folgenden Tag unternahmen wir noch einen Ausflug ins Postkartendorf Appenzell. Wir flanierten etwas, fotografierten und machten uns schon bald wieder auf den Rückweg, denn es war ordentlich kalt.

An den Nachmittagen entspannten wir in der Sauna und im Dampfbad sowie im Whirlpool und genossen die erholsame Aussicht von den Ruheliegen in den Wald. Sogar ein kleiner Kneippweg war dort, nach der Sauna schaffte sogar ich es, nur mit Bademantel bekleidet, rauszugehen. Brr.

Wir unternahmen nochmals einen Rundspaziergang und fanden auf dem Rückweg die Laternli-Bar, einen heimelig hergerichteten Schober mit netter Bedienung.

Und ja, natürlich darf im Appenzell auch ein Appenzeller Käsefondue nicht fehlen, wir genossen es im Restaurant Passhöhe in einer gemütlichen Appenzeller Stube. Vor dem Schlafengehen genehmigten wir uns vor dem prasselnden Kaminfeuer im Hotel ein Glas Wein (ich) und einen Appenzeller Whisky (er). Und fanden auch diese schneelose Auszeit im Kuhfladen sehr gelungen.

Gin und Whisky aus Appenzell

Gin und Whisky aus Appenzell