Valetta Waterfront

Einmal Maltesers, bitte!

Sie waren immer meine Lieblings-Schoko-Snacks, die haselnussgrossen, mit Schokolade überzogenen Crunchykugeln in der roten Packung. Luftig, leicht, locker, lecker. Warum sie Maltesers heissen? Ob sie was mit Malta zu tun haben? Eher nicht*. Aber als Einstieg in meinen Bericht über Malta funktionieren sie. Weil: Eigentlich ist auch diese kleine Mittelmeerinsel luftig, leicht, locker und lecker.

Luftig

Ja, es windet auf Malta. Wie ja auf jeder anderen Insel auch. Und eigentlich ist es wunderbar, wenn immer ein Lüftchen weht. Denn es kühlt. Und es befreit die Strassen von allem, was gemeinhin dort rumliegt: Plastikfolien, Zigarettenstummel, Papiertaschentücher. Und wahrscheinlich ist das genau der Grund, warum es auf Malta so wenig Abfalleimer hat. Gefühlt etwa 10: davon 5 am Flughafen und 5 im kleinen Park vor den Balluta Buildings in Sliema. (Nur am Rande: Malta nimmt bezüglich Abfallwirtschaft innerhalb der EU eine hintere Position ein…)

Leicht

Malta macht einem den Besuch wirklich leicht: Erstens sprechen alle Englisch und viele Italienisch, zweitens ist die Insel klein und drittens verfügt sie über ein für Touristen super funktionierendes Bussystem, sodass man die Insel auch ohne Auto gut bereisen kann. (Was beim herrschenden Linksverkehr und dem sehr hohen Verkehrsaufkommen einen nicht zu unterschätzenden Vorteil darstellt.)

Locker

Die Menschen auf Malta sind wirklich locker, gut drauf und sehr hilfsbereit. Wir wurden überall freundlich empfangen, wir erhielten Tipps für gute Restaurants, wir wurden zuvorkommend bedient und fühlten uns wirklich willkommen. Wir sind nun doch schon an einigen Orten (hauptsächlich in Europa) gewesen und wir haben im Grunde genommen immer gute Erfahrungen mit den Menschen vor Ort gemacht, aber Malta hat diesbezüglich alles übertroffen. Oder hast du schon mal von einem Parkwächter den Tipp für ein traditionelles Fest erhalten? Hier sein Tipp: Żejt iż-Żejtun. Das einmal im Jahr in Zejtun stattfindende Oliven-Erntedankfest entpuppte sich als einmaliges Erlebnis mit Re-Enactment-Show, lokalen Speisen, herausgeputzten Einheimischen und einer wunderbaren Stimmung. Mit ÖV erreichbar.

Lecker

Auf Malta kann man historisch bedingt italienisch, französisch, britisch, türkisch, arabisch und natürlich maltesisch (eine Mischung aus allem) essen. So genossen wir morgens entweder italienische Cornetti mit Americano con latte (sehr zu empfehlen das UC Cafè zum gemütlich Verweilen) oder französische Croissants mit Café au lait to go (fresh&frensh). Zwischendurch als Snack maltesische Pastizzi tal-piżelli (Blätterteigtaschen mit Erbsenfüllung) oder Ftira, das sind Sauerteigbrötchen in Bagelform, die mit Tomaten, Tomatenpaste oder Rohschinken belegt werden. Und abends maltesische Vorspeisenteller mit Bigilla (Bohnenpaste) und Kapunata, die klassischen Hauptspeisen Kaninchenragout (stuffat tal-fenek) und Tintenfischeintopf (Qarnita stuffat) (empfehlenswert Il Gozitan, keine Website, meine Tripadvisor-Bewertung), zum Dessert maltesischen Nougat (Qubbajt). Dann natürlich auch italienische Pasta und Pizza, türkischen Döner, Köfte und grilliertes Poulet sowie britische Fish’n’Chips. Na, läuft dir das Wasser schon im Munde zusammen? Dann ist Malta ein ausgezeichnetes Reiseziel für dich. (Wenn du noch zu wenig Englisch kannst, kannst dus übrigens in einer der vielen Sprachschulen in St. Julian’s lernen).

So. Jetzt hast du natürlich nur einen halben Überblick über die Insel. Die andere Hälfte liefere ich hier:

Malta ist karg

Die Wälder wurden schon von den Römern abgeholzt, seit da nicht wieder aufgeforstet. Und auch sonst ist die Landschaft mehrheitlich braun.

Bucht bei Cirkewwa

Bucht bei Cirkewwa

Malta ist eine mittelalterliche Festung

Valetta ist als Fort konzipiert, bevor es bebaut wurde, die alte Hauptstadt Mdina ist heute noch eine mittelalterliche Festung mit barocken Elementen (erdbebenbedingt). Beide Orte sind sehr spannend und auf jeden Fall einen Besuch mit Bummel durch Strassen und Gassen wert. Wer Geschichte mal anders als im Museum erleben möchte, kann zum Beispiel bei The Mdina Experience eine audio-visuelle Show mit 3D-Effekten buchen und dabei alles in Muttersprache hören. Gerade für Kinder praktisch. Ansonsten sind natürlich die St. John’s Co-Cathedral, das Archäologische Museum, die Casa Piccola Rocca und der Grossmeisterpalast in Valetta einen Besuch wert.

Befestigungsanlage in Vittoriosa

Befestigungsanlage in Vittoriosa

Malta hat ältere Megalithen als Stonehenge

Kann man im archäologischen Museum erfahren. Und könnte man auch sehen, wenn man mindestens 6 Wochen vor dem Besuch Online-Tickets für den Besuch der unterirdischen Tempelanlage Hypogeum ergattern hätte können. (Haben wir natürlich nicht realisiert…)

Malta ist nicht wirklich eine Badeinsel

Auf der nördlichen Seite der Halbinsel Sliema (Richtung Belluta) hat es einen langgezogenen felsigen Stadtstrand. Wir gingen wetterbedingt nicht dort baden (Sturm), erkundeten ihn nur kurz am ersten Abend und fotografierten danach die hohen Wellen. Baden waren wir an der Ramla Bay auf Gozo (schöne Bucht mit feinem rotem Sand und flachem Strand). Und natürlich in der blauen Lagune vor Comino – mit viieeeelen anderen auch. Aber ja, wenn man mit einem Ausflugsboot dahin schippert, muss man damit rechnen. Doch allein die Fahrt mit dem türkischen Schoner Fernandes II mit eigenem Koch an Bord war ein cooles Erlebnis.

Wer im Mittelmeerraum strandbaden möchte, findet mit Sicherheit auf Sardinien, Mallorca, Ibiza und in Griechenland, der Türkei (und Tunesien?) schönere Strände mit besserer Infrastruktur als auf Malta. Wer aber eine Städtereise mit Badeabstechern sucht, kommt auf Malta auf seine Kosten.

Maltesisch ist eine offizielle Amtssprache der EU

Beschrieben wird Maltesisch als dem alten Tunesisch sehr ähnlicher, sizilianisch-arabischer und maghrebinischer Dialekt, als eine latinisierte semitische Sprache. Konkret: Man hört darin italienische, französische, englische und arabische Wörter, jedoch hilft keine der Sprachen beim Verstehen des Maltesischen. Und sie wird lateinisch (nicht arabisch) geschrieben, es gibt jedoch einige Buchstaben mehr als im reinen lateinischen Alphabet.

Auf Malta werden täglich Kanonen abgefeuert

Jeden Tag um 12 Uhr und um 16 Uhr werden in Valetta von der Saluting Battery bei den Upper Barakka Gardens Kanonen in den Grand Harbour abgefeuert. Es handelt sich dabei um eine Re-Enactment-Show. Extra einen Eintritt würde ich nicht kaufen, aber mit etwas Glück erhascht man einen Blick durch die Menschenmassen. Hören tut mans auf jeden Fall.

Saluting Battery

Saluting Battery

Auf Malta gibt’s viele Balkone

Sie fallen auf, die farbigen Holzbalkone an den Häuserzeilen, sowohl in Valetta also auch in Sliema (und andernorts). Das Geheimnis: Man kann von innen auf die Strassen sehen, von aussen jedoch nicht. Und sie dienen der Lüftung.

Hotel, Strand und andere Tipps

Wir wohnten in Sliema, das ist ein eher ruhiger Stadtteil auf einer Halbinsel nördlich von Valetta, und dort im Palazzo Violetta (das kleine Hotel mit Pool können wir empfehlen, siehe meine Tripadvisor-Bewertung). Sliema ist sehr praktisch gelegen. Man gelangt zu Fuss innerhalb von je 10 Minuten an die beiden Promenaden dieser Halbinsel und damit zu Restaurants, Geschäften, Fähren und Ausflugsschiffen. Auch Haltestellen für die klimatisierten Busse, die einen rund um Sliema, nach Valletta (zentraler Busbahnhof) und über die ganze Insel bringen, sind um die Ecke. Durch die Strassen kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit laufen, wir fühlten uns immer sicher.

Sliema bei Valetta

Sliema bei Valetta

Schwimmen im Meer waren wir übrigens einmal auf Malta und zwar am hoteleigenen Felsenstrand des 5-Sterne-Komplexes The Westin Dragonara. Man kann dort einen Tageseintritt für 20 Euro pro Person kaufen, in dem die Benützung der Liegestühle und der WC-Anlage inbegriffen sind. Ausserdem bringen sehr nette Stewards bestellte Getränke und Kleinigkeiten an den Liegestuhl. Eine legere Bar und ein gediegenes Restaurant sind ebenfalls vorhanden. Warum wir uns das gönnten? Hauptsächlich wegen der WC-Anlage. Weil mir ein einmaliger Besuch einer öffentlichen Anstalt am öffentlichen Strand genügte. Wirklich eine Zumutung. Öfter waren wir wetterbedingt nicht baden, sonst hätten wir noch andere Strände ausprobiert.

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PS: Hier noch die Auflösung des *: Maltesers heissen so, weil sie aus Malters bei Luzern kommen …

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Dresden-Panorama mit Frauenkirche-Kuppel

Elbflorenz

Dresden – Florenz: der Versuch eines Vergleichs

Darf man Städte miteinander vergleichen? Ist es sinnvoll? Zumal, wenn – wie in meinem Fall – der letzte Besuch von Florenz 30 Jahre zurückliegt? Und der von Dresden etwas mehr als 30 Tage? Wie auch immer, ich habe ja nicht damit angefangen. Der Begriff wird Johann Gottfried Herder zugeschrieben, der sich 1802 in seiner Zeitschrift «Adrastea» zu den «Kunstsammlungen in Dresden» äusserte:

«Vor allem aber sind es die Kunst- und Alterthumssammlungen [Staatliche Kunstsammlungen], die er mit ansehnlichen Kosten stiftete, Trophäen seiner Regierung. Was ein Friedrich August [Friedrich August I. von Sachsen, genannt August der Starke] im Anfange des Jahrhunderts anfing, hat ein anderer Friedrich August [Friedrich August II.] am Ende desselben vollendet. Durch sie ist Dresden in Ansehung der Kunstschätze ein Deutsches Florenz geworden.»

(Neben Umfang und Qualität der Dresdner Sammlungen ist erwähnenswert, dass die italienischen Meister einer ihrer Sammlungsschwerpunkte sind.)

So, ich versuchs jetzt einfach mal und gebe meine selbstverständlich total subjektiven Ergebnisse bekannt.

Elbe – Arno 1:0

Die Elbe gewinnt ganz einfach deshalb, weil sie schiffbar ist. In Dresden selbst liegen 9 Raddampfer an der Reede, die grösste und älteste Raddampfer-Flotte der Welt. Selbstverständlich haben wir auch eine Fahrt unternommen: drei Stunden lang von Desden über Radebeul (dort wohnte Karl May) und Meissen (Porzellan) bis Diesbar und Seußlitz entlang der so genannten Sächsischen Weinstrasse. Selbstverständlich mit Weinwanderung und Weindegustation. Die dank der angenehmen Begleitung von Marcel Beyer, den hervorragenden Weinen und der genussvollen Jause seiner Mutter zu einem einmaligen Erlebnis wurde. Können wir sehr empfehlen.

Staatliche Kunstsammlungen – Uffizien 1:1

Nun, in Dresden waren wir nicht in den Kunstsammlungen. Begründung: Ich habe schon soooo viele Alte Meister gesehen – unter anderem – genau – in den Uffizien. Und ja, ich mag Kunst, ich mag Alte Meister genauso wie Zeitgenössisches. Aber für diese Reise wären die Eindrücke der Kunstwerke wahrscheinlich zu viel gewesen.

In Florenz sieht man natürlich zum Beispiel den David von Michelangelo und von Da Vinci alles, was die Medici in Auftrag gaben oder sammelten. Und in Dresden unter anderem die sixtinische Madonna von Raffael und alles, was August der Starke gesammelt hat. Vergleichen lassen sich die Museen wahrscheinlich nicht. Aber besuchen. Deshalb mein Unentschieden.

August der Starke – Medici 1:1

Das Dresden, das heute wieder aufgebaut wird (es wurde in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges total zerstört) ist das Dresden von August dem Starken, dem kunstsinnigen Fürsten mit absolutistischen Ambitionen (1670–1733). Dank seiner Neuorganisation des Finanzwesens, der Ansiedelung von Unternehmen (unter anderem der Porzellanmanufaktur in Meissen, weil unter seiner Herrschaft die Herstellung von Porzellan wiedererfunden wurde) und der hohen Steuern hatte er genug Geld, um das Stadtbild, Schlösser, Parks, Landsitze zu bauen, wie es ihm gefiel. Für sich und seine vielen Mätressen. Zum Vergnügen und zum Repräsentieren. Und für seine Schätze.

Dasselbe kann man wohl auch von den Medici-Fürsten in Florenz sagen. Die einflussreiche italienische Dynastie – im Textilhandel reich geworden – stellte vom 15. bis 18. Jahrhundert Grossherzöge der Toskana, Päpste und zwei Königinnen von Frankreich. Und sie versammelten Gelehrte genauso wie Künstler um sich, um Kirchen, Paläste, Parks zu erbauen. Das Stadtbild von Florenz wird von den Medici genauso geprägt wie das Stadtbild Dresdens von August dem Starken. Deshalb auch hier ein Unentschieden.

Frauenkirche – Duomo Santa Maria Del Fiore 1:0

Die Frauenkirche gewinnt für mich wegen ihres Symbolcharakters für den Frieden. Die ausgebrannte Kirche stürzte am Vormittag des 15. Februar 1945 – zwei Tage nach dem verheerenden Bombenangriff auf Dresden – als Folge der unglaublichen Hitze in sich zusammen und blieb als Ruine stehen. Erst nach der Wende wurde sie dank der beeindruckenden Initiative von Bürgern und weltweiter finanzieller Unterstützung über 11 Jahre hinweg Stück für Stück wieder aufgebaut – unter weitestgehender Verwendung historischer Materialien. Am 30. Oktober 2005 wurde der Wiederaufbau mit einer festlichen Weihe der Kirche abgeschlossen.

Wahrzeichen des Florentiner Doms ist die berühmte Kuppel von Brunelleschi, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit noch heute als Höhepunkt der Renaissance gesehen wird. Sie prägt das Stadtbild von Florenz genauso wie die Frauenkirche und ist in Wirklichkeit natürlich einer Frauenkirche mindestens ebenbürtig. Allein schon ihres Alters wegen. Aber die symbolische Strahlkraft einer Frauenkirche besitzt sie nicht.

Barock – Renaissance 1:0

Dass Dresden als Barockstadt gilt, hat sie ebenfalls August dem Starken zu verdanken, denn er verantwortete die städtebauliche Umwandlung der einstigen Renaissance-Stadt Dresden in eine Barockstadt. Dabei verschwanden viele der schmalen Giebelhäuser der Gotik und Renaissance. Florenz hingegen ist im Kern immer noch Renaissancestadt. Mir persönlich liegt der üppige Barock näher als die Wiederbelebung der Antike, die die Renaissance stilmässig ausmacht. Und deshalb gehen meine Punkte nach Dresden.

Semperoper – Teatro Comunale di Firenze 1:0

Auch dieser Vergleich wird hinken, denn ich habe in keinem der beiden Häuser je eine Vorstellung gesehen. Und drin war ich nur in der Semperoper. Anlässlich einer Führung, die wir spontan als letzte der Gruppe buchten. Und wir hatten Glück, denn uns führte Herr Berger, einer der Architekten während des Wiederaufbaus von 1977 bis 1985. Er konnte Details erzählen von der Handwerkskunst, die es erforderte, um zum Beispiel in der unteren Wandelhalle das Eichenholzimitat wiederherzustellen (ein 80jähriger Spezialist benötigte 2 Jahre. Jüngere Fachleute gab es nicht mehr). Der Architekt – Gottfried Semper – leitete aus seinem Exil in Wien den Bau, sein Sohn Manfred war in Dresden vor Ort. Semper war ein berühmter Architekt seiner Zeit, er baute unter anderem das Burgtheater in Wien und das Hauptgebäude der ETH in Zürich. Vom Bundesrat wurde er als Professor auf Lebenszeit ernannt. Aus diesem Grund gebe ich der Semperoper den Vorzug. Und ja: ein Besuch, und sei es nur eine Führung, lohnt sich unbedingt.

Sächsischer Wein – Wein aus der Toskana 0:1

Ja, in Sachsen wird Wein angebaut, siehe Vergleich Elbe – Arno. Hauptsächlich Weisswein und ja, wir konnten ein paar Tropfen degustieren und ja, wir waren vom Geschmack und der Qualität mehr als überzeugt. Selbstverständlich wäre es vermessen, einen weissen Bacchus aus Sachsen mit einem Vernaccia aus der Toskana vergleichen zu wollen. Ganz zu schweigen von roten Montepulcianos. Deshalb gewinnt die Toskana diesen Vergleich.

Endergebnis 6:3

Mein Vergleich geht zugunsten von Dresden aus. Doch wahrscheinlich gibt es genauso viele Gründe, um Florenz als Siegerin zu sehen. Da hilft nur, beide Städte zu besuchen.

Tipps für Dresden

Unser Hotel in Dresden war das Innside by Meliá, mitten in der Stadt, ein paar Meter von der Frauenkirche entfernt. Im 6. Stock befindet sich die Bar Twist, die kreative und ausgezeichnete Drinks serviert. Nicht ganz günstig, aber auf jedem Fall einen Besuch wert. Der Kreuzchor – er besteht seit 800 Jahren – singt in der Kreuzkirche zu den Gottesdiensten. Wir hören kurz zu (es war ja Pfingsten). Gegessen haben wir auch im Raskolnikoff in der Dresdner Neustadt. Sehr empfehlenswert, schöner Innenhof zum Sitzen, nette Bedienung, guter Wein, regionale Produkte, ehrliche Küche.

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PS: Alle Hintergrundinformationen habe ich Wikipedia entnommen. Suchbegriffe: Elbflorenz, Dresen, Florenz, Frauenkirche, Florentiner Dom, August der Starke, Medici, Semper, Renaissance.

PPS: Die Fotos von Florenz machte ich 1983 anlässlich der Studienreise, die wir mit unserer Gymnasiumsklasse unternahmen. Ich habe sie nicht eingescannt, sondern abfotografiert.

Insektenhotel mit Schneedach

Heiliger Bim-Bam – oder der etwas andere Neujahrsbeginn

Als wir uns am Abend des 31. Dezember 2017 so gegen 22 Uhr aufmachten, um mit der heimischen Dorfbevölkerung aufs neue Jahr anzustossen, begegnete uns auf der schneebedecken Strasse ein Mann mit Hut aufm Kopf und einer Chiantiflasche in der Hand. Wir kamen ins Gespräch und merkten, dass wir dasselbe Ziel hatten: das Burgerhaus. In Zeneggen. Dort war nach dem Essen schon der gemütliche Teil des Abends angebrochen, und man tanzte zu Club Groove aus dem Laptop in der historischen Stube aus dem frühen 17. Jahrhundert. Irgendwann so gegen halb 12 brachen die meisten auf, um zur Bielkapelle oberhalb des Dorfes zu wandern. Dort sollte das Silvesterfeuer angezündet werden. Da wir den Weg hinauf durch den Schnee schon am Morgen gegangen waren, entschieden wir uns, nicht mitzukommen, weil wir ganz einfach nicht so trittsicher sind wie die Einheimischen. Und auf einmal war nur noch der nette Herr mit der Chiantiflasche (in der er selbstgebrannten Schnaps für die Runde mitgebracht hatte) in der Stube. Er gehe auch nicht mit, er gehe jetzt Glockenläuten… Glockenläuten. «Spielst du Carillon?» hörte ich mich fragen. Er bejahte. Ich hatte das Buch «Zeneggen, Sonnenterrasse im Vispertal» von Erwin Jossen ziemlich intensiv durchgeblättert und war dort auf die Tradition des Glockenspiels im Ort gestossen.

So machten wir uns gemeinsam auf den Weg runter, Richtung Kirche. Ein anderes Paar kam noch vorbei, sie fanden das mit dem Carillon auch spannend. Und so machten wir uns zu viert auf den Weg zur Kirche (meine beiden Männer liessen mich ziehen, im Wissen, dass dadurch ein gemeinsamer Rutsch ins neue Jahr nicht stattfinden würde. Ich bin noch heute dankbar für diese Toleranz.)

Der Mann mit Mütze – er heisst übrigens Marco Schaller – kletterte die enge Treppe und die steilen Leitern hoch, wir hinterher, bis wir oben im Glockenstuhl ankamen. Zunächst schaltete er die Elektrik aus, denn normalerweise werden auch in Zeneggen die Kirchenglocken elektrisch geläutet. Danach hiess Marco den anderen Herren, die grosse Glocke 12 Mal mit dem Klöppel von Hand zu läuten. Schliesslich war es ja mittlerweile genau 24 Uhr. Gesagt getan. Prosit Neujahr!

Danach legte Marco los. Er sass auf dem Mauersims, seine Hände zogen abwechselnd an Seilen, die mit den Klöppeln der verschiedenen Glocken verbunden waren. Mit den Beinen drückte er kleine Brettchen, die ebenfalls mit Seilen, jedoch an den etwas grösseren Glocken, befestigt waren. Und aus den sich flink durch die Seile hangelnden Händen und Füssen ergab sich eine Melodie, die weit übers Dorf hinweg erklang. Minutenlang. (Kleine Ausschnitte sind im Video zu hören …) Nach den ersten beiden Stücken machte uns Marco vor, wie man früher von Hand (oder besser von Fuss) Glocken geläutet hat. Indem man sich oben neben das Holzjoch (daran ist die Glocke befestigt) hinstellt und diesen Balken so lange in Schwingung versetzt, bis die Glocke gleichmässig läutet. Es sah anstrengend aus. Und ja, im Gegensatz zum Carillonspiel, war der Klang ohrenbetäubend (das Paar verabschiedete sich jetzt und ging heim).

 

Ich find, wir heigend ds neu Jahr gnüeg güet iigliita!

Nach einem weiteren Stück von Marco sagte er, wenn ich wolle, könne ich auch mal versuchen zu spielen. Ich zögerte erst, stimmte dann jedoch zu, weil ich neugierig war. Und ausserdem konnte ich so meinen beiden Liebsten wenigstens ein paar Klänge mit ins neue Jahr schicken. Glücklicherweise gibt’s keine Aufnahmen von meinem Geklimper, aber ich fühlte mich geehrt, weil ich so einen mehr als einmaligen und eindrücklichen Jahreswechsel erleben durfte. (Den ich selbstverständlich eine gute halbe Stunde später mit einem Glas Prosecco mit meinen beiden Männern nachfeiern durfte.)

Merci Marco!

PS: Carillonspiel mit Marco Schaller in Zeneggen am 1. Januar 2018 kurz nach Mitternacht (die Uhr im Glockenstuhl zeigt etwa 10 vor 7. Sie muss stehen geblieben sein. In welchem Jahr, weiss niemand so genau.) Ich habe das Video über Facebook eingebunden, da meine WordPress-Seite ein Upgrade bräuchte, um Videos abzuspielen. Das wollte ich nicht. Doch den Link kannst du auch öffnen, wenn du nicht auf Facebook bist.

PPS: Ach ja, warum wir über den Jahreswechsel in Zeneggen waren, das ist eine andere Geschichte: Seit ein paar Jahren verbringen wir die Zeit zwischen den Jahren immer an einem besonderen Ort. Zum grössten Teil in einem der historischen Hotels der Schweiz (Zuort, Paxmontana, Bella Tola). Dieses Jahr in einem historischen Airbnb: einem ehemaligen Restaurant in Zeneggen (übrigens sehr zu empfehlen). Als ich es buchte, wusste ich nicht mal, wo genau Zeneggen liegt und ob man da auch während der Feiertage mit dem ÖV hinkommt. Aber bis jetzt haben wir unsere Ziele in der Schweiz noch immer erreicht. (Zeneggen liegt übrigens im Vispertal, auf einer Sonnenterrasse 20 Postauto-Minuten oberhalb von Visp, auch im Winter gelangt man täglich öppe 7 Mal ins Dort und wieder zurück.)
So war denn auch nicht die Erreichbarkeit die grösste Herausforderung, sondern die Tatsache, dass es in Zeneggen im Winter kein geöffnetes gastliches Haus (mehr) gibt. Und nur einen kleinen Dorfladen, von dem wir nicht wussten, ob er in der Zeit vom 29. Dezember bis 2. Januar offen hat. Doch wir fanden heraus, dass Coopathome liefert. Und zwar mit der Post. So kamen unsere Einkäufe pünktlich in Zeneggen an, trotz verschneiter Strassen. Und wir konnten hinter der Bar, sozusagen im «Chez nous» kochen.

 

PPPS: Hier das Youtube-Video mit dem Glockenspiel von Marco Schaller . Vom Schweizer Fernsehn, Immerhin.

PPPPS: Wir wissen ja eigentlich aufgrund unserer Reisen Bescheid über Sitten und Bräuche in aller Herren Länder. Aber was genau im Dorf nebenan gelebt wird, kennen wir meist nicht (mehr). Deshalb war ich wirklich sehr berührt, die in der Schweiz doch selten ausgeübte Kunst des Carillonspiels erleben zu dürfen (und es sogar selbst auszuprobieren).

Kegelrobben und Seehunde auf der Badedüne in Helgoland

5 Gründe, warum man Sommerferien nicht auf Helgoland verbringen muss

1. Es ist kalt

Also auf der einzigen Hochseeinsel Deutschlands soll es nie frieren – Golfstrom sei Dank – erklärte uns ein lokaler Fischer während der Börteboot-Fahrt. Und schneien so gut wie gar nie. Das macht Helgoland im Winter zum wärmsten Ort Deutschlands, doch leider nicht im Sommer …. Dass es auf Nordseeinseln nicht ganz so heiss wird wie im Süden, haben wir schon während der Sommerferien auf Borkum und Langeoog erfahren. Doch auf Helgoland war es noch eine Spur kühler. Zumindest diesen Sommer. So kletterte das Thermometer auf 18 Grad, vielleicht auch mal auf 20 bis 22 Grad. Aber das war dann schon ein Hitzetag. An der Sonne kann mans dabei gut aushalten, im Strandkorb sowieso, abends sind jedoch Strümpfe, lange Hosen, lange Pullis oder leichte Daunenjacken (siehe Punkt 2) angebracht. Und da es auch ab und an windregnet, sind Regenjacken ein Muss im Gepäck.

2. Die Insel ist ein einziger Duty Free Shop

Helgoland ist für Deutsche wie Konstanz für Schweizer – ein Einkaufsparadies ohne Zollgebühren und Mehrwertsteuer. Deshalb sorgen pro Tag so um die 3000 Einkaufstouristen für Dichtestress auf der 1 Quadratkilometer grossen Insel, also genau genommen auf der einzigen Hauptstrasse im Unterland sowie in ein paar Geschäften im Oberland. Und natürlich in gastlichen Häusern. Und zwar zwischen 11 und 16 Uhr (das Bild der einfallenden Heuschrecken lasse ich jetzt mal). Ganz zuoberst auf der Einkaufsliste stehen Whiskys (man kann bis zu 1000 Sorten bekommen), dann natürlich Zigaretten, andere Alkoholika, Parfums, Kosmetika, Angus-Beef (wenn man weiss, wo) und Outdoorbekleidung (zumindest alles, was gegen Wind und Wetter schützt wie z.B. leichte Daunenjacken, siehe Punkt 1). Und ja, man kann da schon sparen, der Whiskey, den mein Liebster für 66 Euro ergatterte, kostet in der Berner Münsterkellerei 128 Franken. Für Feriengäste auf der Insel bedeutet das Folgendes: Restaurantplätze immer vorreservieren. Vor 11 Uhr zur Badedüne tuckern (falls es das Wetter zulässt) oder ins Erlebnisbad und Spa Mare Frisicum gehen (Sauna mit Ausblick aufs Meer). Falls man selbst Schnäppchen jagen will, einfach grad um 11 oder gleich nach 16 Uhr loslegen.

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3. Der 2. Weltkrieg ist immer noch präsent

Auf Helgoland sind die meisten Hügel nicht geologischen, sondern militärischen Ursprungs. So steht zum Beispiel das Spital mitten in einem Bombenkrater. Und das kam so: Aufgrund ihrer idealen Lage vor der Deutschen Bucht waren praktisch seit den Wikingern alle daran interessiert, die Insel als Festung auszubauen und den nördlichsten eisfreien Hafen (siehe Punkt 1) als Stützpunkt für allerlei Sorten Schiffe zu nützen. Zudem errichtete man verschiedene Bunker und Tunnelsysteme. Zuletzt war das im 2. Weltkrieg so, Stichwort dazu Hummerschere. Logisch, dass die Insel auch bombardiert wurde, wenigstens NACHDEM man die Bewohner zwangsevakuiert hatte. Selbst nach Ende des 2. Weltkriegs nützen die Briten die Insel noch für Bombentests. Doch das viele explosive Material, das dort noch lagerte, sollte vernichtet werden und die Insel gleich mit. 1947 wurden deshalb 6700 Tonnen Sprengstoff ferngezündet und damit wurde die bis dahin grösste nicht-atomare, von Menschen gewollt erzeugte Explosion ausgelöst. Diese Operation Big Bang war jedoch mässig erfolgreich: Also der Sprengstoff wurde schon vernichtet, doch die Insel überstand den Big Bang aufgrund des porösen Sandsteins. Mit eben noch heute sichtbaren Wunden. Und einem gut erhaltenen Bunkersystem, das man besuchen kann.

4. Man muss sich den Strand mit Robben teilen

Schöner, fast weisser, tiefer Sand, idyllische Strandkörbe, wenig Leute: Zwei solche Strände bietet die Badedüne neben der Insel. Doch schon gleich nach der Schiffländte steht: Bitte zu Robben und Seehunden mindestens 30 Meter Abstand halten. Okeeee, vermutlich hat einfach jemand vergessen, das auch den Tieren zu sagen, denn während du bei frischen 18 Grad in der Nordsee planschst, kann es durchaus vorkommen, dass neben dir eine Robbe auftaucht. Und da erschrickst du erst Mal, weil so 300 Kilo schwimmen nicht täglich um dich rum (dini Mueter!). Aber hey, dafür gibt’s keine Hunde am Strand. Und eigentlich sind diese Robben ja total süüüüss.

5. Alle Restaurants haben dieselben Gerichte auf der Speisekarte

Helgoländer Hummerscheren – Knieper genannt – sind die Spezialität der Insel, Nordseekrabben, Pannfisch und weitere Meerestiere ebenfalls. Doch weil man auf der Speisekarte ja nicht nur Fisch haben kann, wird sie mit Fleisch in Steak- oder Hamburgerform oder mit Pasta ergänzt. Und so bekommt man in den meisten Restaurants auf der Insel in etwa das. Einfach besser oder schlechter zubereitet. Und ja, es gibt natürlich Stände mit Fischbrötchen, ein Bistro, aber auch reine Pizza-Pasta-Fleisch-Lokale. Wir haben uns quer durch die Insel gegessen und unsere Rangliste sieht so aus, Bewertungen auch auf TripAdvisor.

  • Nummer 1: Weddigs Fischerstuben
  • Nummer 2: Bunte Kuh und Mocca-Stuben
  • Nummer 3: Pizza & Pasta und Zum Hamburger

PS: Uns hats übrigens gefallen. Wir hatten ein wunderbares Familienappartement zuvorderst im Oberland mit einem Balkon, von dem man einfach ins Meer hinausschauen konnte. Der Spaziergang um die Insel herum, die Trottellummen – das ist keine Beleidigung, das sind Vögel – auf den roten Klippen, die Lange Anna und natürlich die Robben auf der Badedüne sind einfach nur schön.

 

Nebelmeer in der Abenddämmerung

Appenzell und kein bisschen Alpenbitter

Nun, 2016 führten mich gleich zwei Reisen ins Appenzellerland. Genau gesagt in den Kuhfladen, also nach Ausserrhoden (das Goldstück im Kuhfladen ist Innerrhoden, also zum Beispiel der Ort Appenzell selbst, aber dazu später).

Die erste Reise ging zum Erlebnis Waldegg in den Tintelompe. Es war eine Reise in die Vergangenheit und zwar gleich zweifach. Erstens, weil es ein Klassentreffen unserer Primarschulklasse war. Und zweitens, weil der Tintelompe ein Schulzimmer aus den 30er-Jahren im Appenzell ist. Nicht, dass ich so alt bin oder im Appenzell aufgewachsen wäre, aber als Ort für ein Klassentreffen ist es einfach nur genial. Wir wurden vom Lehrer Fritz Habersack begrüsst. Nein, falsch: WIR mussten den Herrn Lehrer Habersack begrüssen. Wie früher halt. Dann bekamen wir Namensschildli umgehängt, waren plötzlich eine Frieda, ein Fritzli, eine Lisa, ein Joggeli, ein Zischgeli oder ein Gottlieb. Und anschliessend wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt, in die Schlauen und die Oberschlauen. Anschliessend galt es, Fragen zum Kanton Appenzell und zu seiner Sprache (aase schwär) zu beantworten, Rechenaufgaben im Kopf (sic!) zu lösen, Lieder zu singen (Min Vatter ischt en …) und schön Schnürlischrift zu schreiben. Und wenn der Schnellere auch der Geschwindere war und sogar richtig lag, gabs Punkte. (Gewonnen haben zum Schluss die Schlauen.)

Dazwischen gabs Pausen, in denen wir am Platz Essen serviert bekamen, also von denen, die ein Ämtli gefasst hatten: zum Beispiel Hochzeitssuppe schöpfen, Teller abräumen, Salat servieren … die wunderbaren Schweinsschnitzel auftragen und so weiter…

Wir gingen sogar auf einen kleinen Ausflug, in Zweierreihe, in den Stall zu den anderen Eseln und Hühnern. Und in die Backstube vom Ziträdli, in den Chrömerladen, zum Goafeur und sogar zu den Sauen. Denn all das findet man in diesem Erlebnis Waldegg. Und wahrscheinlich noch viel mehr.

Ach ja, weil wir alle so brav waren, gabs zum Abschied noch musikalische Unterhaltung mit einem Hackbrettspieler in Originaltracht.

Die zweite Reise führte uns Ende Dezember auf die Schwägalp, genau gesagt ins Hotel Säntis. Wir verbrachten dort unsere fast schon zur Gewohnheit gewordene kleine Auszeit zwischen den Jahren. Normalerweise ist es ja so, dass spätestens am 2. Tag unserer Ferien der grosse Schnee einsetzt. Das war 2012 in Zuort so, 2013 in Ulrichen, 2014 in Flüeli-Ranft und 2015 (also im Januar 2016) in St. Luc. Doch auf der Schwägalp fiel kein Schnee. Auch sonst in der Schweiz nirgends. Chame nüt mache.

Wir gelangten mit RBS, SBB (entlang der Goldküste bis Pfäffikon), SOB (durchs Toggenburg) und Postauto bis vor den Hoteleingang. Das Hotel Säntis wurde ein Jahr zuvor eingeweiht und bietet all das, was wir so mögen: zeitgemässes Design und Wellnessbereich und in der Umgebung Spazierwege und Ausflugsmöglichkeiten. Unsere Junior-Suite (ist für uns Drei seit längerem der bevorzugte Zimmertyp, weil wir in einem Zimmer, meist mit abgetrennten Bereichen, gemütlich unterkommen können) war grosszügig, hatte sogar 2 Fernseher und einen dicken Vorhang zwischen Juniors Bereich uns unserem. Zudem Dusche/WC und Bad.

Nach einer Fotosafari durchs Hotel (das ja eigentlich eine Seilbahnstation mit integriertem Hotel ist), erkundeten wir die Umgebung. Der Laternliweg hinunter auf die Schwägalp faszinierte uns besonders, wurden doch kurz vor der Dämmerung kleine Öllampen aufgehängt (nein, nicht von Zwergen oder Heinzelmännchen, sondern von einem Mitarbeitenden auf seinem kleinen Traktor). Es war auch ohne Schnee romantisch. Wir genossen bei einem Glühwein die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse des Restaurants Passhöhe auf der Schwägalp und machten uns auf den Weg zurück ins Hotel.

Am kommenden Morgen gings hoch hinauf, mit der Gondel auf den Säntis zum Frühstück. Ja, dort hatte es ein wenig Schnee und Eis, dazu eine fantastische Aussicht und vorwitzige Bergdohlen.

Am folgenden Tag unternahmen wir noch einen Ausflug ins Postkartendorf Appenzell. Wir flanierten etwas, fotografierten und machten uns schon bald wieder auf den Rückweg, denn es war ordentlich kalt.

An den Nachmittagen entspannten wir in der Sauna und im Dampfbad sowie im Whirlpool und genossen die erholsame Aussicht von den Ruheliegen in den Wald. Sogar ein kleiner Kneippweg war dort, nach der Sauna schaffte sogar ich es, nur mit Bademantel bekleidet, rauszugehen. Brr.

Wir unternahmen nochmals einen Rundspaziergang und fanden auf dem Rückweg die Laternli-Bar, einen heimelig hergerichteten Schober mit netter Bedienung.

Und ja, natürlich darf im Appenzell auch ein Appenzeller Käsefondue nicht fehlen, wir genossen es im Restaurant Passhöhe in einer gemütlichen Appenzeller Stube. Vor dem Schlafengehen genehmigten wir uns vor dem prasselnden Kaminfeuer im Hotel ein Glas Wein (ich) und einen Appenzeller Whisky (er). Und fanden auch diese schneelose Auszeit im Kuhfladen sehr gelungen.

Gin und Whisky aus Appenzell

Gin und Whisky aus Appenzell

 

Split

5 Tipps für eine unvergessliche Städtereise (und nicht eine zum Vergessen).

«Nein, ich will nicht nach Rom, da hats mir zu viele alte Steine.» «Das Hotel ist doch viel zu weit von der Altstadt entfernt». «Ins Fussballstadion? Nicht mit mir!» «In DAS Lokal möchtest du rein?»

Hatten Sie auch schon den Eindruck, Ihre Städtereise sei mehr so ein Hürdenlauf? Mit folgenden Hindernissen:

  1. Wahl der Stadt,
  2. Buchen der Unterkunft,
  3. Zusammenstellung des Programms,
  4. Wahl der Restaurants.

Wenn Sie jetzt leise nicken, dann helfen Ihnen diese 5 Tipps bestimmt, damit Ihre nächste Städtereise ein Vergnügungsspaziergang wird.

1. Alte Steine oder neue Locations?

Eine Städtereise war ursprünglich eher so eine bildungsbürgerliche Pflichtübung. Man musste die Mona Lisa gesehen haben (auch wenn man sie im Louvre gar nicht sieht, weil man in der 5. Reihe steht und das Bild die Grösse einer Briefmarke hat. Bildlich gesprochen.) Und man musste in Rom gewesen sein. Weil schon Goethe dorthin gereist war. Wer das heute noch so sieht, ist mit Verlaub: von gestern. Man kann nämlich eine Städtereise unternehmen und dabei hauptsächlich shoppen. Oder Party machen. Oder Musicals besuchen. Oder schlemmen. Oder ein bisschen von allem. Und ja, auch ganz klassisch Museen, Schlösser und Ruinen besichtigen. Deshalb: Schauen Sie, was Sie und Ihre Begleitung interessiert und wählen Sie die Stadt aus, die zu Ihren Interessen passt. Und haben Sie Mut zur Lücke. Man muss eine Stadt ja nicht leerkaufen. Oder nicht jede Sehenswürdigkeit abklappern. Es hilft übrigens, wenn alle Reisenden in etwa dieselben Interessen haben. Wenn Sie wirklich keine Gemeinsamkeiten finden, suchen Sie sich andere Reisepartner oder bleiben Sie daheim.

2. Grosse Metropole oder kleines Bijou?

Ja klar, alle wollen nach Paris, London, Berlin oder New York. Für ein Wochenende, oder vielleicht ein verlängertes. Und merken dann, dass sie vor lauter Grossstadtangebot überfordert sind. Denn es gibt sicher vier angesagte Frühstückslokale, mindestens drei Shoppingmeilen, die Restauranttipps füllen zwei Seiten. Dabei hab ich noch nicht mal ein einziges Museum erwähnt. Und ja, das nächtliche Angebot ist natürlich uferlos. Aber hey: Es gibt eine Menge Städte, die überschaubarer und genauso sehenswert sind. Wirklich. Reisen Sie zum Beispiel nach Dijon, Salzburg, San Sebastián, Lissabon, Split oder Granada. Und in grosse Städte einfach mehrmals, jedes Mal mit einem anderen Fokus. (Ich zum Beispiel war schon mindestens 10 Mal in Wien.)

3. Familiäres BnB oder luxuriöser Palast?

«Wir sind doch sowieso nur in der Nacht dort und auch da nur die halbe, wir brauchen eigentlich nur ein Bett.» Das fand ich mit 18 auch und das war damals gut so. Wenn Sie aber voll im Arbeitsleben stehen oder Familie haben oder beides, dann würde ich das nicht mehr empfehlen. Mein Tipp: Stellen Sie Ihre eigenen Kriterien auf. Unsere sind in etwa so: entweder ein BnB, ein Hotel (4 Sterne, aber nicht 5, weil zu sophisticated) oder sonst etwas Spezielles. Keine grossen Ketten, eher was Kleines, Sympathisches, gut gelegen, sodass man das Stadtzentrum zu Fuss oder mit Bus/Tram/Strassenbahn gut erreichen kann. Und: Es hat mit Vorteil eine Sauna, ein Dampfbad oder einen kleinen Pool. Warum? Das steht im Tipp Nummer 4. Anhand dieser Kriterien suchen wir bei Bewertungsportalen, über Tipps von Freunden und sozialen Kontakten «unsere» Übernachtungsmöglichkeit aus und buchen sie. Je nach Sprachkenntnissen und Preisen direkt oder über Buchungsportale. Hier ein paar von uns für gut befundene Adressen: Il Teatro in Lissabon, 25hours in Wien, Palacio de los Patos Granada, The Arte Apartment in San Sebastián. Oder der Schönheitssalon in Split.

BnB Filomena & Spa in Split

Die Zimmer des BnB Filomena & Spa in Split sind gleich beim Pool, das Frühstück wird draussen serviert.

4. Sightseeing ohne Ende oder gemütliches Entdecken?

Sie sind nun schon stundenlang unterwegs, tragen alles Mögliche mit sich rum und wären eigentlich müde. Okee, einen Kaffee in einem netten Lokal haben Sie hinter sich, aber vor sich noch die ein oder andere Sehenswürdigkeit (wenn man schon mal da ist). Und abends solls zum Essen und danach ins Nachtleben gehen. Die Füsse tun weh, eine Blase ist auch schon im Anmarsch. Ihre Laune sinkt sichtbar, Sie werden im besten Fall einsilbig, im schlechtesten Fall ausfällig. Deshalb: Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, uns für jeden Tag nur ein einziges Highlight vorzunehmen, Zeit zum Entspannen einzuplanen und drum herum gepflegte Pausen einzulegen. Und das geht so: entweder Frühstück im Hotel oder in einem der angesagten Frühstückslokale, Kaffee in einer Bar (in Italien zum Beispiel) oder im Kaffeehaus. Dann eines davon: Besichtigung von etwas Kulturellem/Shopping/Marktbummel/Sightseeing. Wenn immer machbar, buchen wir notwendige Eintrittstickets vorher online (und wenn möglich nicht für einen Sonntag). Zur Belohnung folgt anschliessend der Besuch von Lokalitäten mit entsprechendem Getränke- und Speiseangebot. Und dann kommt der Entspannungsteil. Zum Beispiel im hoteleigenen Spa-Bereich (siehe Punkt 3.) Oder in einem Hammam. Zum Beispiel in Wien, in Granada oder auch in Bern. Oder (Geheimtipp) im Liquidrom in Berlin. Danach ist man nämlich fit fürs Abendprogramm: Apéro, Abendessen, Konzert, Party, Kino und so weiter. Und noch was: Kaufen Sie Souvenirs immer dann, wenn Sie dran vorbeilaufen. Nicht später oder am letzten Tag. Sie finden das Geschäft nämlich nicht wieder. Nie mehr. Ich weiss das.

Hamam El Andaluz in Granada

Bevor man ins Hamam Al Andalus in Granada geht, erhält man in einem kleinen Innenhof eine Einweisung und Tee serviert.

5. Restaurants vorher buchen oder vor Ort auswählen?

Sie haben also einen ganzen Städtereisetag überstanden, Gratulation, und machen sich nun auf zum Abendessen. Jetzt gibts zwei Möglichkeiten: Entweder, Sie haben schon über die einschlägigen Bewertungsportale/Freunde/Kolleginnen etwas gefunden und es sogar geschafft, einen Tisch zu reservieren: dann guten Appetit. Oder Sie gehören zu denjenigen, dies aufs Geratewohl versuchen. Wir kombinieren meist beides. Für den ersten Abend schauen wir, dass wir was reservieren können oder essen auch mal im hoteleigenen Restaurant, wenn es was hergibt. Oder wir fragen im Hotel oder bei den Gastgebern nach und bitten diese, auch gleich einen Tisch zu reservieren (Sprache und Einheimischenbonus können Wunder wirken). Weil: Es gibt fast nichts schlimmeres, als am ersten Abend hungrig durch Strassen zu laufen, die man noch überhaupt nicht kennt, um dann vor jedem Lokal zu diskutieren, ob man jetzt da reingehen soll oder nicht. Und dann landet man irgendwann irgendwo, einfach weil man schon fast verhungert ist. Für die anderen Tage halten wir auf unseren Entdeckungstouren und Einkaufsbummeln die Augen offen und wenn wir was Ansprechendes finden, machen wir ein Foto oder speichern den Namen. Und schon bald hat man eine Auswahl. Wir sind auch schon an Lokalen vorbeigekommen, die wir im Bewertungsportal vorgemerkt hatten, und konnten gleich vor Ort persönlich reservieren. Mit dieser Mischung geplant/spontan haben wir auf allen unseren Reisen viele gute Restaurants entdeckt und fein gegessen.

So: Und jetzt hoffen wir natürlich, dass diese Tipps zu einer gelungenen Städtereise beitragen. Viel Spass! Und ja: Falls Sie weitere Tipps haben: nur zu.

Thun–Bern: Prognose für eine Bootsfahrt auf der Aare

Ab 10 Uhr ist auf dem Bootszubringer bei Thun mit stark erhöhtem Verkehrsaufkommen zu rechnen. Die Wartezeiten werden schätzungsweise zwischen einer halben und einer ganzen Stunde betragen, ihren Höhepunkt werden sie um 14 Uhr erreichen. Es wird empfohlen, die Hauptverkehrszeit zu umschiffen.

Auch der Zubringer Uttigen wird extrem frequentiert sein. Aufgrund der unmittelbar davor liegenden Uttiger-Welle muss auch auf erhöhtes Aufkommen von wassergetränkten und damit etwas schwer manövrierfähigen Booten geachtet werden. Nach dem dortigen Einschiffen am besten eher links bleiben.

Auf der Höhe der absoluten Grill-Hotspots bei der Autobahnraststätte Münsingen empfiehlt es sich, nach bereits vorgeglühten Einweggrills Ausschau zu halten, so kann die Wartezeit für die Essensausgabe verkürzt werden. An dieser Stelle ist gegen 14 Uhr erstmals das Erreichen des ersten Eintrags ins Guinessbuch in Reichweite: wegen der Bierfahne der Vorbeirudernden. Der zweite Weltrekordversuch kann ebenfalls dort gestartet werden. Die Überquerung der Aare, schreitend von einem Boot übers andere bis zum gegenüberliegenden Ufer.

Um schmerzhafte Kollisionen mit weiter nördlich installierten Brückenpfeilern zu vermeiden, empfiehlt es sich, selbige den eher weniger erfahrenen Böötlern zu überlassen. Denn diese werden sich über die Aufmerksamkeit für ihre akrobatischen Einlagen freuen.

Nach dem Muribad werden Wällebrättler die einmalige Chance nutzen, zwischen den Booten Slalom zu fahren. Freuen Sie sich auf eine kurzwellige Unterhaltung mit einer kleinen kühlenden Dusche!

Achtung: Auf Höhe Eichholz wird die Sicht stark eingeschränkt sein. Grund: aufsteigende Rauchschwaden von diversen Grillstationen mit unterschiedlichen Duftvariationen. Für Veganer besteht erhöhte Allergiegefahrt. Für alle anderen heissts: Augen zu und durch.

Danach empfiehlt es sich, die rechte Fahrbahnspur zu wählen, da die linke von kreischenden Schwimmerinnen in Beschlag genommen wird. Unkoordiniertes Hin- und Herschwaddern derselben erschwert das Paddeln. Forsches Hupen wird empfohlen, damit Ruderschläge auf Hinterköpfe vermieden werden können.

Die ultimative Challenge erfolgt bei der Unterquerung des Schönausteges: Brückenspringer gegen Bootsflüchtlinge. Wer trifft, hat verloren, so oder so.

Verlassen Sie die Aare allerspätestens an der letzten Ausbootstelle beim Pontonierverein Bern kurz vor der Dalmazibrücke. Vorsicht: An der Ausfahrt kann es zu Stau bis auf Höhe des Männerbades im Marzili kommen. Es empfiehlt sich, einen Mindestabstand von 2 Handbreit zu wahren. Achtung: an der Ausbootstelle herrscht akuter Platzmangel!

Sind Sie nun gesund und ohne Sonnenbrand an Land gekommen, gratuliert Ihnen niemand. Denn es heisst: Luft ablassen, Boot zusammenfalten und die Landebahn schnellstmöglichst zu verlassen. Ansonsten drohen Schweissausbrüche und schlechte Laune.

Und nun: Schiff ahoi…

PS: Die Fotos stammen von einer Aarefahrt Bern–Eymatt. Man kann die Strecke nur bei gutem Wasserstand, also im Juni und Juli, befahren, danach wird das Wasser flach und man muss gut manövrieren können. Anspruchsvoll sind die Tiefenaubrücke und die Strecke bis Bremgarten, danach wird’s sehr idyllisch und ruhig bis zur Eymatt. Und hier noch ein wichtiger Link: Die Aarekarte für Böötler und Schwimmer der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft.