Kegelrobben und Seehunde auf der Badedüne in Helgoland

5 Gründe, warum man Sommerferien nicht auf Helgoland verbringen muss

1. Es ist kalt

Also auf der einzigen Hochseeinsel Deutschlands soll es nie frieren – Golfstrom sei Dank – erklärte uns ein lokaler Fischer während der Börteboot-Fahrt. Und schneien so gut wie gar nie. Das macht Helgoland im Winter zum wärmsten Ort Deutschlands, doch leider nicht im Sommer …. Dass es auf Nordseeinseln nicht ganz so heiss wird wie im Süden, haben wir schon während der Sommerferien auf Borkum und Langeoog erfahren. Doch auf Helgoland war es noch eine Spur kühler. Zumindest diesen Sommer. So kletterte das Thermometer auf 18 Grad, vielleicht auch mal auf 20 bis 22 Grad. Aber das war dann schon ein Hitzetag. An der Sonne kann mans dabei gut aushalten, im Strandkorb sowieso, abends sind jedoch Strümpfe, lange Hosen, lange Pullis oder leichte Daunenjacken (siehe Punkt 2) angebracht. Und da es auch ab und an windregnet, sind Regenjacken ein Muss im Gepäck.

2. Die Insel ist ein einziger Duty Free Shop

Helgoland ist für Deutsche wie Konstanz für Schweizer – ein Einkaufsparadies ohne Zollgebühren und Mehrwertsteuer. Deshalb sorgen pro Tag so um die 3000 Einkaufstouristen für Dichtestress auf der 1 Quadratkilometer grossen Insel, also genau genommen auf der einzigen Hauptstrasse im Unterland sowie in ein paar Geschäften im Oberland. Und natürlich in gastlichen Häusern. Und zwar zwischen 11 und 16 Uhr (das Bild der einfallenden Heuschrecken lasse ich jetzt mal). Ganz zuoberst auf der Einkaufsliste stehen Whiskys (man kann bis zu 1000 Sorten bekommen), dann natürlich Zigaretten, andere Alkoholika, Parfums, Kosmetika, Angus-Beef (wenn man weiss, wo) und Outdoorbekleidung (zumindest alles, was gegen Wind und Wetter schützt wie z.B. leichte Daunenjacken, siehe Punkt 1). Und ja, man kann da schon sparen, der Whiskey, den mein Liebster für 66 Euro ergatterte, kostet in der Berner Münsterkellerei 128 Franken. Für Feriengäste auf der Insel bedeutet das Folgendes: Restaurantplätze immer vorreservieren. Vor 11 Uhr zur Badedüne tuckern (falls es das Wetter zulässt) oder ins Erlebnisbad und Spa Mare Frisicum gehen (Sauna mit Ausblick aufs Meer). Falls man selbst Schnäppchen jagen will, einfach grad um 11 oder gleich nach 16 Uhr loslegen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

3. Der 2. Weltkrieg ist immer noch präsent

Auf Helgoland sind die meisten Hügel nicht geologischen, sondern militärischen Ursprungs. So steht zum Beispiel das Spital mitten in einem Bombenkrater. Und das kam so: Aufgrund ihrer idealen Lage vor der Deutschen Bucht waren praktisch seit den Wikingern alle daran interessiert, die Insel als Festung auszubauen und den nördlichsten eisfreien Hafen (siehe Punkt 1) als Stützpunkt für allerlei Sorten Schiffe zu nützen. Zudem errichtete man verschiedene Bunker und Tunnelsysteme. Zuletzt war das im 2. Weltkrieg so, Stichwort dazu Hummerschere. Logisch, dass die Insel auch bombardiert wurde, wenigstens nachdem man die Bewohner zwangsevakuiert hatte. Selbst nach Ende des 2. Weltkriegs nützen die Briten die Insel noch für Bombentests. Doch das viele explosive Material, das dort noch lagerte, sollte vernichtet werden. 1947 wurden deshalb 6700 Tonnen Sprengstoff ferngezündet und damit wurde die bis dahin grösste nicht-atomare, von Menschen gewollt erzeugte Explosion ausgelöst. Diese Operation Big Bang war jedoch mässig erfolgreich, denn die Insel überstand sie aufgrund des porösen Sandsteins. Mit eben noch heute sichtbaren Wunden. Und einem gut erhaltenen Bunkersystem, das man besuchen kann.

4. Man muss sich den Strand mit Robben teilen

Schöner, fast weisser, tiefer Sand, idyllische Strandkörbe, wenig Leute: Zwei solche Strände bietet die Badedüne neben der Insel. Doch schon gleich nach der Schiffländte steht: Bitte zu Robben und Seehunden mindestens 30 Meter Abstand halten. Okeeee, vermutlich hat einfach jemand vergessen, das auch den Tieren zu sagen, denn während du bei frischen 18 Grad in der Nordsee planschst, kann es durchaus vorkommen, dass neben dir eine Robbe auftaucht. Und da erschrickst du erst Mal, weil so 300 Kilo schwimmen nicht täglich um dich rum (dini Mueter!). Aber hey, dafür gibt’s keine Hunde am Strand. Und eigentlich sind diese Robben ja total süüüüss.

5. Alle Restaurants haben dieselben Gerichte auf der Speisekarte

Helgoländer Hummerscheren – Knieper genannt – sind die Spezialität der Insel, Nordseekrabben, Pannfisch und weitere Meerestiere ebenfalls. Doch weil man auf der Speisekarte ja nicht nur Fisch haben kann, wird sie mit Fleisch in Steak- oder Hamburgerform oder mit Pasta ergänzt. Und so bekommt man in den meisten Restaurants auf der Insel in etwa das. Einfach besser oder schlechter zubereitet. Und ja, es gibt natürlich Stände mit Fischbrötchen, ein Bistro, aber auch reine Pizza-Pasta-Fleisch-Lokale. Wir haben uns quer durch die Insel gegessen und unsere Rangliste sieht so aus, Bewertungen auch auf TripAdvisor.

  • Nummer 1: Weddigs Fischerstuben
  • Nummer 2: Bunte Kuh und Mocca-Stuben
  • Nummer 3: Pizza & Pasta und Zum Hamburger

PS: Uns hats übrigens gefallen. Wir hatten ein wunderbares Appartement zuvorderst im Oberland mit einem Balkon, von dem man einfach ins Meer hinausschauen konnte. Der Spaziergang um die Insel herum, die Trottellummen – das ist keine Beleidigung, das sind Vögel – auf den roten Klippen, die Lange Anna und natürlich die Robben auf der Badedüne sind einfach nur schön.

 

Advertisements
Nebelmeer in der Abenddämmerung

Appenzell und kein bisschen Alpenbitter

Nun, 2016 führten mich gleich zwei Reisen ins Appenzellerland. Genau gesagt in den Kuhfladen, also nach Ausserrhoden (das Goldstück im Kuhfladen ist Innerrhoden, also zum Beispiel der Ort Appenzell selbst, aber dazu später).

Die erste Reise ging zum Erlebnis Waldegg in den Tintelompe. Es war eine Reise in die Vergangenheit und zwar gleich zweifach. Erstens, weil es ein Klassentreffen unserer Primarschulklasse war. Und zweitens, weil der Tintelompe ein Schulzimmer aus den 30er-Jahren im Appenzell ist. Nicht, dass ich so alt bin oder im Appenzell aufgewachsen wäre, aber als Ort für ein Klassentreffen ist es einfach nur genial. Wir wurden vom Lehrer Fritz Habersack begrüsst. Nein, falsch: WIR mussten den Herrn Lehrer Habersack begrüssen. Wie früher halt. Dann bekamen wir Namensschildli umgehängt, waren plötzlich eine Frieda, ein Fritzli, eine Lisa, ein Joggeli, ein Zischgeli oder ein Gottlieb. Und anschliessend wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt, in die Schlauen und die Oberschlauen. Anschliessend galt es, Fragen zum Kanton Appenzell und zu seiner Sprache (aase schwär) zu beantworten, Rechenaufgaben im Kopf (sic!) zu lösen, Lieder zu singen (Min Vatter ischt en …) und schön Schnürlischrift zu schreiben. Und wenn der Schnellere auch der Geschwindere war und sogar richtig lag, gabs Punkte. (Gewonnen haben zum Schluss die Schlauen.)

Dazwischen gabs Pausen, in denen wir am Platz Essen serviert bekamen, also von denen, die ein Ämtli gefasst hatten: zum Beispiel Hochzeitssuppe schöpfen, Teller abräumen, Salat servieren … die wunderbaren Schweinsschnitzel auftragen und so weiter…

Wir gingen sogar auf einen kleinen Ausflug, in Zweierreihe, in den Stall zu den anderen Eseln und Hühnern. Und in die Backstube vom Ziträdli, in den Chrömerladen, zum Goafeur und sogar zu den Sauen. Denn all das findet man in diesem Erlebnis Waldegg. Und wahrscheinlich noch viel mehr.

Ach ja, weil wir alle so brav waren, gabs zum Abschied noch musikalische Unterhaltung mit einem Hackbrettspieler in Originaltracht.

Die zweite Reise führte uns Ende Dezember auf die Schwägalp, genau gesagt ins Hotel Säntis. Wir verbrachten dort unsere fast schon zur Gewohnheit gewordene kleine Auszeit zwischen den Jahren. Normalerweise ist es ja so, dass spätestens am 2. Tag unserer Ferien der grosse Schnee einsetzt. Das war 2012 in Zuort so, 2013 in Ulrichen, 2014 in Flüeli-Ranft und 2015 (also im Januar 2016) in St. Luc. Doch auf der Schwägalp fiel kein Schnee. Auch sonst in der Schweiz nirgends. Chame nüt mache.

Wir gelangten mit RBS, SBB (entlang der Goldküste bis Pfäffikon), SOB (durchs Toggenburg) und Postauto bis vor den Hoteleingang. Das Hotel Säntis wurde ein Jahr zuvor eingeweiht und bietet all das, was wir so mögen: zeitgemässes Design und Wellnessbereich und in der Umgebung Spazierwege und Ausflugsmöglichkeiten. Unsere Junior-Suite (ist für uns Drei seit längerem der bevorzugte Zimmertyp, weil wir in einem Zimmer, meist mit abgetrennten Bereichen, gemütlich unterkommen können) war grosszügig, hatte sogar 2 Fernseher und einen dicken Vorhang zwischen Juniors Bereich uns unserem. Zudem Dusche/WC und Bad.

Nach einer Fotosafari durchs Hotel (das ja eigentlich eine Seilbahnstation mit integriertem Hotel ist), erkundeten wir die Umgebung. Der Laternliweg hinunter auf die Schwägalp faszinierte uns besonders, wurden doch kurz vor der Dämmerung kleine Öllampen aufgehängt (nein, nicht von Zwergen oder Heinzelmännchen, sondern von einem Mitarbeitenden auf seinem kleinen Traktor). Es war auch ohne Schnee romantisch. Wir genossen bei einem Glühwein die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse des Restaurants Passhöhe auf der Schwägalp und machten uns auf den Weg zurück ins Hotel.

Am kommenden Morgen gings hoch hinauf, mit der Gondel auf den Säntis zum Frühstück. Ja, dort hatte es ein wenig Schnee und Eis, dazu eine fantastische Aussicht und vorwitzige Bergdohlen.

Am folgenden Tag unternahmen wir noch einen Ausflug ins Postkartendorf Appenzell. Wir flanierten etwas, fotografierten und machten uns schon bald wieder auf den Rückweg, denn es war ordentlich kalt.

An den Nachmittagen entspannten wir in der Sauna und im Dampfbad sowie im Whirlpool und genossen die erholsame Aussicht von den Ruheliegen in den Wald. Sogar ein kleiner Kneippweg war dort, nach der Sauna schaffte sogar ich es, nur mit Bademantel bekleidet, rauszugehen. Brr.

Wir unternahmen nochmals einen Rundspaziergang und fanden auf dem Rückweg die Laternli-Bar, einen heimelig hergerichteten Schober mit netter Bedienung.

Und ja, natürlich darf im Appenzell auch ein Appenzeller Käsefondue nicht fehlen, wir genossen es im Restaurant Passhöhe in einer gemütlichen Appenzeller Stube. Vor dem Schlafengehen genehmigten wir uns vor dem prasselnden Kaminfeuer im Hotel ein Glas Wein (ich) und einen Appenzeller Whisky (er). Und fanden auch diese schneelose Auszeit im Kuhfladen sehr gelungen.

Gin und Whisky aus Appenzell

Gin und Whisky aus Appenzell

 

Split

5 Tipps für eine unvergessliche Städtereise. (Und nicht eine zum Vergessen.)

«Nein, ich will nicht nach Rom, da hats mir zu viele alte Steine.» «Das Hotel ist doch viel zu weit von der Altstadt entfernt». «Ins Fussballstadion? Nicht mit mir!» «In DAS Lokal möchtest du rein?»

Hatten Sie auch schon den Eindruck, Ihre Städtereise sei mehr so ein Hürdenlauf? Mit folgenden Hindernissen:

  1. Wahl der Stadt,
  2. Buchen der Unterkunft,
  3. Zusammenstellung des Programms,
  4. Wahl der Restaurants.

Wenn Sie jetzt leise nicken, dann helfen Ihnen diese 5 Tipps bestimmt, damit Ihre nächste Städtereise ein Vergnügungsspaziergang wird.

1. Alte Steine oder neue Locations?

Eine Städtereise war ursprünglich eher so eine bildungsbürgerliche Pflichtübung. Man musste die Mona Lisa gesehen haben (auch wenn man sie im Louvre gar nicht sieht, weil man in der 5. Reihe steht und das Bild die Grösse einer Briefmarke hat. Bildlich gesprochen.) Und man musste in Rom gewesen sein. Weil schon Goethe dorthin gereist war. Wer das heute noch so sieht, ist mit Verlaub: von gestern. Man kann nämlich eine Städtereise unternehmen und dabei hauptsächlich shoppen. Oder Party machen. Oder Musicals besuchen. Oder schlemmen. Oder ein bisschen von allem. Und ja, auch ganz klassisch Museen, Schlösser und Ruinen besichtigen. Deshalb: Schauen Sie, was Sie und Ihre Begleitung interessiert und wählen Sie die Stadt aus, die zu Ihren Interessen passt. Und haben Sie Mut zur Lücke. Man muss eine Stadt ja nicht leerkaufen. Oder nicht jede Sehenswürdigkeit abklappern. Es hilft übrigens, wenn alle Reisenden in etwa dieselben Interessen haben. Wenn Sie wirklich keine Gemeinsamkeiten finden, suchen Sie sich andere Reisepartner oder bleiben Sie daheim.

2. Grosse Metropole oder kleines Bijou?

Ja klar, alle wollen nach Paris, London, Berlin oder New York. Für ein Wochenende, oder vielleicht ein verlängertes. Und merken dann, dass sie vor lauter Grossstadtangebot überfordert sind. Denn es gibt sicher vier angesagte Frühstückslokale, mindestens drei Shoppingmeilen, die Restauranttipps füllen zwei Seiten. Dabei hab ich noch nicht mal ein einziges Museum erwähnt. Und ja, das nächtliche Angebot ist natürlich uferlos. Aber hey: Es gibt eine Menge Städte, die überschaubarer und genauso sehenswert sind. Wirklich. Reisen Sie zum Beispiel nach Dijon, Salzburg, San Sebastián, Lissabon, Split oder Granada. Und in grosse Städte einfach mehrmals, jedes Mal mit einem anderen Fokus. (Ich zum Beispiel war schon mindestens 10 Mal in Wien.)

3. Familiäres BnB oder luxuriöser Palast?

«Wir sind doch sowieso nur in der Nacht dort und auch da nur die halbe, wir brauchen eigentlich nur ein Bett.» Das fand ich mit 18 auch und das war damals gut so. Wenn Sie aber voll im Arbeitsleben stehen oder Familie haben oder beides, dann würde ich das nicht mehr empfehlen. Mein Tipp: Stellen Sie Ihre eigenen Kriterien auf. Unsere sind in etwa so: entweder ein BnB, ein Hotel (4 Sterne, aber nicht 5, weil zu sophisticated) oder sonst etwas Spezielles. Keine grossen Ketten, eher was Kleines, Sympathisches, gut gelegen, sodass man das Stadtzentrum zu Fuss oder mit Bus/Tram/Strassenbahn gut erreichen kann. Und: Es hat mit Vorteil eine Sauna, ein Dampfbad oder einen kleinen Pool. Warum? Das steht im Tipp Nummer 4. Anhand dieser Kriterien suchen wir bei Bewertungsportalen, über Tipps von Freunden und sozialen Kontakten «unsere» Übernachtungsmöglichkeit aus und buchen sie. Je nach Sprachkenntnissen und Preisen direkt oder über Buchungsportale. Hier ein paar von uns für gut befundene Adressen: Il Teatro in Lissabon, 25hours in Wien, Palacio de los Patos Granada, The Arte Apartment in San Sebastián. Oder der Schönheitssalon in Split.

BnB Filomena & Spa in Split

Die Zimmer des BnB Filomena & Spa in Split sind gleich beim Pool, das Frühstück wird draussen serviert.

4. Sightseeing ohne Ende oder gemütliches Entdecken?

Sie sind nun schon stundenlang unterwegs, tragen alles Mögliche mit sich rum und wären eigentlich müde. Okee, einen Kaffee in einem netten Lokal haben Sie hinter sich, aber vor sich noch die ein oder andere Sehenswürdigkeit (wenn man schon mal da ist). Und abends solls zum Essen und danach ins Nachtleben gehen. Die Füsse tun weh, eine Blase ist auch schon im Anmarsch. Ihre Laune sinkt sichtbar, Sie werden im besten Fall einsilbig, im schlechtesten Fall ausfällig. Deshalb: Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, uns für jeden Tag nur ein einziges Highlight vorzunehmen, Zeit zum Entspannen einzuplanen und drum herum gepflegte Pausen einzulegen. Und das geht so: entweder Frühstück im Hotel oder in einem der angesagten Frühstückslokale, Kaffee in einer Bar (in Italien zum Beispiel) oder im Kaffeehaus. Dann eines davon: Besichtigung von etwas Kulturellem/Shopping/Marktbummel/Sightseeing. Wenn immer machbar, buchen wir notwendige Eintrittstickets vorher online (und wenn möglich nicht für einen Sonntag). Zur Belohnung folgt anschliessend der Besuch von Lokalitäten mit entsprechendem Getränke- und Speiseangebot. Und dann kommt der Entspannungsteil. Zum Beispiel im hoteleigenen Spa-Bereich (siehe Punkt 3.) Oder in einem Hammam. Zum Beispiel in Wien, in Granada oder auch in Bern. Oder (Geheimtipp) im Liquidrom in Berlin. Danach ist man nämlich fit fürs Abendprogramm: Apéro, Abendessen, Konzert, Party, Kino und so weiter. Und noch was: Kaufen Sie Souvenirs immer dann, wenn Sie dran vorbeilaufen. Nicht später oder am letzten Tag. Sie finden das Geschäft nämlich nicht wieder. Nie mehr. Ich weiss das.

Hamam El Andaluz in Granada

Bevor man ins Hamam Al Andalus in Granada geht, erhält man in einem kleinen Innenhof eine Einweisung und Tee serviert.

5. Restaurants vorher buchen oder vor Ort auswählen?

Sie haben also einen ganzen Städtereisetag überstanden, Gratulation, und machen sich nun auf zum Abendessen. Jetzt gibts zwei Möglichkeiten: Entweder, Sie haben schon über die einschlägigen Bewertungsportale/Freunde/Kolleginnen etwas gefunden und es sogar geschafft, einen Tisch zu reservieren: dann guten Appetit. Oder Sie gehören zu denjenigen, dies aufs Geratewohl versuchen. Wir kombinieren meist beides. Für den ersten Abend schauen wir, dass wir was reservieren können oder essen auch mal im hoteleigenen Restaurant, wenn es was hergibt. Oder wir fragen im Hotel oder bei den Gastgebern nach und bitten diese, auch gleich einen Tisch zu reservieren (Sprache und Einheimischenbonus können Wunder wirken). Weil: Es gibt fast nichts schlimmeres, als am ersten Abend hungrig durch Strassen zu laufen, die man noch überhaupt nicht kennt, um dann vor jedem Lokal zu diskutieren, ob man jetzt da reingehen soll oder nicht. Und dann landet man irgendwann irgendwo, einfach weil man schon fast verhungert ist. Für die anderen Tage halten wir auf unseren Entdeckungstouren und Einkaufsbummeln die Augen offen und wenn wir was Ansprechendes finden, machen wir ein Foto oder speichern den Namen. Und schon bald hat man eine Auswahl. Wir sind auch schon an Lokalen vorbeigekommen, die wir im Bewertungsportal vorgemerkt hatten, und konnten gleich vor Ort persönlich reservieren. Mit dieser Mischung geplant/spontan haben wir auf allen unseren Reisen viele gute Restaurants entdeckt und fein gegessen.

So: Und jetzt hoffen wir natürlich, dass diese Tipps zu einer gelungenen Städtereise beitragen. Viel Spass! Und ja: Falls Sie weitere Tipps haben: nur zu.

Thun–Bern: Prognose für eine Bootsfahrt auf der Aare

Ab 10 Uhr ist auf dem Bootszubringer bei Thun mit stark erhöhtem Verkehrsaufkommen zu rechnen. Die Wartezeiten werden schätzungsweise zwischen einer halben und einer ganzen Stunde betragen, ihren Höhepunkt werden sie um 14 Uhr erreichen. Es wird empfohlen, die Hauptverkehrszeit zu umschiffen.

Auch der Zubringer Uttigen wird extrem frequentiert sein. Aufgrund der unmittelbar davor liegenden Uttiger-Welle muss auch auf erhöhtes Aufkommen von wassergetränkten und damit etwas schwer manövrierfähigen Booten geachtet werden. Nach dem dortigen Einschiffen am besten eher links bleiben.

Auf der Höhe der absoluten Grill-Hotspots bei der Autobahnraststätte Münsingen empfiehlt es sich, nach bereits vorgeglühten Einweggrills Ausschau zu halten, so kann die Wartezeit für die Essensausgabe verkürzt werden. An dieser Stelle ist gegen 14 Uhr erstmals das Erreichen des ersten Eintrags ins Guinessbuch in Reichweite: wegen der Bierfahne der Vorbeirudernden. Der zweite Weltrekordversuch kann ebenfalls dort gestartet werden. Die Überquerung der Aare, schreitend von einem Boot übers andere bis zum gegenüberliegenden Ufer.

Um schmerzhafte Kollisionen mit weiter nördlich installierten Brückenpfeilern zu vermeiden, empfiehlt es sich, selbige den eher weniger erfahrenen Böötlern zu überlassen. Denn diese werden sich über die Aufmerksamkeit für ihre akrobatischen Einlagen freuen.

Nach dem Muribad werden Wällebrättler die einmalige Chance nutzen, zwischen den Booten Slalom zu fahren. Freuen Sie sich auf eine kurzwellige Unterhaltung mit einer kleinen kühlenden Dusche!

Achtung: Auf Höhe Eichholz wird die Sicht stark eingeschränkt sein. Grund: aufsteigende Rauchschwaden von diversen Grillstationen mit unterschiedlichen Duftvariationen. Für Veganer besteht erhöhte Allergiegefahrt. Für alle anderen heissts: Augen zu und durch.

Danach empfiehlt es sich, die rechte Fahrbahnspur zu wählen, da die linke von kreischenden Schwimmerinnen in Beschlag genommen wird. Unkoordiniertes Hin- und Herschwaddern derselben erschwert das Paddeln. Forsches Hupen wird empfohlen, damit Ruderschläge auf Hinterköpfe vermieden werden können.

Die ultimative Challenge erfolgt bei der Unterquerung des Schönausteges: Brückenspringer gegen Bootsflüchtlinge. Wer trifft, hat verloren, so oder so.

Verlassen Sie die Aare allerspätestens an der letzten Ausbootstelle beim Pontonierverein Bern kurz vor der Dalmazibrücke. Vorsicht: An der Ausfahrt kann es zu Stau bis auf Höhe des Männerbades im Marzili kommen. Es empfiehlt sich, einen Mindestabstand von 2 Handbreit zu wahren. Achtung: an der Ausbootstelle herrscht akuter Platzmangel!

Sind Sie nun gesund und ohne Sonnenbrand an Land gekommen, gratuliert Ihnen niemand. Denn es heisst: Luft ablassen, Boot zusammenfalten und die Landebahn schnellstmöglichst zu verlassen. Ansonsten drohen Schweissausbrüche und schlechte Laune.

Und nun: Schiff ahoi…

PS: Die Fotos stammen von einer Aarefahrt Bern–Eymatt. Man kann die Strecke nur bei gutem Wasserstand, also im Juni und Juli, befahren, danach wird das Wasser flach und man muss gut manövrieren können. Anspruchsvoll sind die Tiefenaubrücke und die Strecke bis Bremgarten, danach wird’s sehr idyllisch und ruhig bis zur Eymatt. Und hier noch ein wichtiger Link: Die Aarekarte für Böötler und Schwimmer der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft.

Santa Maria Maggiore

Santa Maria Maggiore oder: eine Reise mit mindestens 5 Aha-Erlebnissen

Ich muss etwas ausholen: Die Geschichte beginnt vor 5 Jahren in Domodossola, als wir abends im Da Sciolla Abendessen wollten und dabei spontan in den Genuss einer Serata di Gola – frei übersetzt einem Gaumenschmaus-Abend – der lokalen Handelskammer kamen. Und ein Menu mit wunderbaren einheimischen Produkten geniessen konnten. Seitdem erhalte ich jeden Frühling eine E-Mail mit den aktuellen Terminen der Serate di Gola. Dieses Jahr hatten wir Lust, mal wieder teilzunehmen. Der einzige Termin, der für uns in Frage kam, war der 22. April, das Essen sollte im Hotel Miramonti in Santa Maria Maggiore stattfinden.

Ja, genau, das haben wir uns auch gefragt: «Wo um Himmels Willen liegt das?» Aha, mitten im Centovalli, ach, da kommt man sogar bequem mit dem Zug bis vor die Haustüre (Bern–Domodossola–Santa Maria Maggiore), ach komm, wir buchen einfach … Gesagt getan. Dabei schon das nächste Aha-Erlebnis: Das 3-Sterne-Hotel Miramonti hat eine hübsche Website, auch auf Deutsch und sympathische Zimmer.

Unsere Zugbillette kauften wir online bei der SBB, es gab sogar noch Sparbillette für die Hinfahrt für 30 Franken 60 mit Halbtax. Und die dauert von Bern aus auch nur 2 Stunden 36 Minuten.

Da wir ja traditionelle Bistro-Fahrer sind, setzten wir uns gleich in Bern an einen Tisch im Speisewagen und bestellten das Übliche: Bier, Prosecco, ein SBB-Plättli und für den Junior Multivitaminsaft und Pasta Bolognese. Alles tipp-topp. Inklusive der Bedienung vom netten Steward mit italienischem Akzent.

Blick aus der Centovalli-Bahn

In Domodossola steigen wir ins Centovalli-Bähnli um, also in einen Panoramazug der Vigezzina-Centovalli-Bahn und ergattern drei der begehrten Plätze. Die Walliser Familie im Abteil hinter uns macht das, was man sich gemeinhin so vorstellt: holt Rotwein und Sandwiches ausm Rucksack und unterhält sich prächtig.

Während sich der Zug langsam durchs Tal schlängelt, fahren wir an kleinen Dörfern vorbei, an typischen Rustici, kleinen Weinbergen, Wäldern und Wasserfällen und passieren schwindelerregend hohe Brücken. Alles umrahmt von weissen Bergspitzen, blauem Himmel und Sonnenschein. Ein Bilderbuchwetterrahmen sozusagen. Nach 50 Minuten ist unsere Fahrt zu Ende, wir erreichen Santa Maria Maggiore, den Hauptort des Val Vigezzo.

Unser Hotel liegt gleich gegenüber vom Bahnhof, der Empfang ist herzlich und das Zimmer schnuckelig. Sogar mit eigener Dachterrasse. Inklusive Tisch und Stühlen.

Es ist früher Nachmittag, angenehm warm und wir machen uns gemütlich auf, das Dorf zu erkunden (nein, wir haben nicht vorher im Internet nachgeschaut, sondern gehen einfach los, immer der Nase nach und dem ein oder anderen Wegweiser). Bis zum Zentrum mit der Kirche läuft man etwa 15 Minuten, vorbei an einer Teigwarenmanufaktur und einigen grossangelegten Villen und Herrenhäusern auf riesigen Grundstücken mit hohen Bäumen. Es folgt eine gepflästerte Einkaufsstrasse mit Metzgereien, Feinkostgeschäften, Bars, Konditoreien, kleinen Kleiderboutiquen und Restaurants. Beim Blick in die Schaufenster kaufe ich in Gedanken schon eine Menge Leckereien ein…. Nein, das hätten wir echt nicht erwartet, so einen sympathischen, spannenden und noch etwas verschlafen Ort. Schon wieder so ein Aha-Erlebnis.

Viele der gut erhaltenen oder renovierten Fassaden zieren religiöse Bilder und spezielle Sonnenuhren. Und auf den mit Steinen gedeckten Dächern im Stadtzentrum entdecken wir immer wieder Schornsteinfeger. Also keine echten, sondern metallene, zur Dekoration. Wir sehen einen Wegweiser zum Schornsteinfegermuseum, doch es ist erst anderntags geöffnet. So besuchen wir stattdessen die danebenstehende die Kirche, sie hat einen romanischen Turm und ein neueres Kirchenschiff stilmässig von mir aus gesehen klassizistisch. Und eigentlich ist auch sie grösser, als der Ort vermuten lässt. Auf den Lehnen der Bänke sind Namensschilder angebracht … haben wir so auch noch nicht gesehen.

Wir machen uns langsam auf den Rückweg ins Hotel, schliesslich wollen wir am Abend nochmals ins Dorf, um Abend zu essen. Denn im Hotel dinieren wir ja anderntags.

Nach einem Blick durch einige Restaurantfenster entscheiden wir uns fürs «da Branin». Wir werden von einer älteren Dame empfangen und ja klar können wir essen. Auch wenn, wie sie sagt, noch Nebensaison ist und sie uns keine Speiskarte gibt, sondern erklärt, was sie hat. Als Primo sind das: Spaghetti ai Funghi, Tagliolini al granchio und Tagliatelle al Pesto. Nehmen wir. Wir sind ja schliesslich zu Dritt. Und ja klar, die Pasta ist selbstgemacht (oder vom örtlichen Hersteller, auf jeden Fall nicht industriell hergestellt). Als Secondo gibt’s Tagliata (Rindsentrecôte) oder Dorade. Wir nehmen die Tagliata, einmal al Sangue und einmal medio gebraten und es wird ein Traum serviert. Einfach, gut, schnörkellos und auf dem Punkt. Dazu gönnen wir uns einen noch etwas jungen Dolcetto d’Alba. Und weil wir uns die Hauptspeise mit dem Sohn geteilt haben, bleibt noch Platz für ein Dolce, eine Crema catalana. Ich weiss grad nicht mehr, wies auf Italienisch heisst. In der Schweiz sagt man dazu Karamellköpfli. Auch selbstgemacht. Auf unseren Wunsch kommt es mit einer Kugel Vanilleglace für den Sohn. Und mundet ausgezeichnet. Die Grappaauswahl wird vom Mann getestet…. Ich kann da nicht mitreden.

Auf unserer persönlichen Terrasse genehmigen wir uns noch einen Schluck Munaloss aus den Cantine Ossolane Garronne. Der Sohn schläft schon bald ein.

Wir erwachen spät und müssen uns beeilen, wenn wir noch etwas frühstücken möchten. Aber wir schaffen es. Der Sohn bekommt sogar sein heissgeliebtes Rührei (uovo strapazzato, wenn jemand das italienische Wort sucht). Und wir natürlich italienischen Kaffee. Am Buffet wartet eine feine Auswahl an lokalem Brot (ähnlich wie Walliserbrot, mit Früchten oder ohne), Schinken, Käse, gefüllten Croissants, Marmelade, Honig, Müesli, Joghurt, verschiedenen Säften und noch mehr. Nein, wir essen das nicht alles …

Anschliessend schlendern wir wieder ins Dorf, zuerst geht’s ins Schornsteinfegermuseum rein. Und ja, es folgt ein weiteres Aha-Erlebnis, denn hier im Tal waren von 1300 bis in die 1940er Jahre beinahe alle Männer Kaminfeger, die teilweise nach ganz Europa auswanderten. Zum Ende hin wurden auch viele kleine Jungs als Kaminfeger vermietet. Die schwarzen Brüder, die Spazzacamino.… Auf einem kleinen Rundgang erfährt man die Geschichte auf sehr eindrückliche Art und Weise, wenn man über Kopfhörer das Kratzen in den Kaminen vernimmt und die traurigen, von Kindern gesungenen Lieder hört, die erzählen, wie die Buben weit weg von Zuhause, in kalten Wintern, dreckig, staubig, ohne rechte Mahlzeiten, tagein tagaus für ihre Padroni in die Kamine in Mailand und anderswo steigen und sie putzen mussten …

Spazzacamino – Schornsteinfeger aus dem Val Vigezzo

Draussen scheint immer noch die Sonne, sie ist nach dem inneren Frösteln doch sehr willkommen. Weil wir schon beim Besichtigen sind, besuchen wir noch ein anderes Gebäude, es ist mit «Sucola di belle Arti Rossetti Valentini» beschriftet. Aha, das Vigezzo-Tal ist auch ein Malertal, erfahren wir dort. Seit etwa 1650 gibt’s eine Tradition der Portraitmalerei, später auch der Landschaftsmalerei. Einige Künstler wanderten aus, kamen zurück und gründeten eine Kunstakademie. Die bis heute Kurse anbietet.

Eine Texttafel mit dem Bild eines Mannes mit weisser Lockenperücke zieht unserer Aufmerksamkeit auf sich. Auf dem Tisch daneben stehen kleine Fläschchen, die mit «Eau de Cologne» und dem Namen «Farina» beschriftet sind. Und da kommt wohl das grösste Aha-Erlebnis dieses Ortes. Denn der Einheimische Johann Maria Farina (italienisch Gian Maria Farina), 1685–1766, erfand das Eau de Cologne. Er trat 1714 in die Handelsfirma seines Bruders Jean Baptiste in Köln ein und kreierte dort einen Duft, den er nach seiner neuen Heimatstadt «Eau de Cologne» nannte. Damit machte er Köln als Duftstadt weltbekannt. Die Firma Farina gibt’s übrigens noch heute. Mit Onlineshop und so.

Nun aber genug Aha-Erlebnisse, es ist Zeit für einen Apéro. Wir wählen die Terrasse der Bar Rudi, sie ist voll so an einem Samstag um die 12.30 Uhr. Wir bestellen Prosecco, Bier, ein Mineral und Eistee. Und bekommen 2 Plättli mit Salami und Mortadella, dazu Weiss- und Schwarzbrot, 2 Schälchen Chips, Popcorn und Käseflips. Ja, wir staunten genauso. Das Ganze kostete 14 Euro 50. Sprachlos? Ja, wir auch. (Und bei uns gibt’s für den doppelten Preis mit etwas Glück Salznüssli…..)

Wir sitzen an der Sonne, verarbeiten unsere Eindrücke und setzen dabei die verschiedenen Puzzlesteine wie die Villen, die gut erhaltenen Häuser, die Kaminfeger, Portraitmaler, den Parfumeur Farina und die Namensschilder in der Kirche zu einem Gesamtbild, zu unserem Gesamtbild, zusammen.

Wir schlendern weiter durchs Dorf, kaufen hier und da Käse, Pasta, Reis und Antipasti ein. In einer Konditorei-Vinothek mit kleinem Garten gibt’s noch was Süsses für den Sohn und dann geht’s wieder zurück ins Hotel. Schliesslich muss man ja auch noch das Zimmer und die Dachterrasse ein bisschen geniessen.

Es wird Zeit fürs Abendessen, für die Serata di Gola, die ursprünglich ja der Grund für diese Reise gewesen war. Der Speisesaal ist voll besetzt, wir sind die einzigen Nicht-Einheimischen. Zur Vorspeise gibt’s luftgetrocknetes Brisaula, der Hersteller selbst erklärt ein paar Worte dazu. Danach kommen mit Geissmilchricotta und Rotkabis gefüllte Spinat-Raviolini auf den Teller. Als Hauptgang wird ein Milchlamm aus dem Ofen serviert, mit Honig mariniert, dazu werden Artischocken-Julienne, Barba di Frate und gebratene Kartoffelwürfelchen gereicht. Dann kommen verschiedene Kuh- und Geissmilchkäslein mit einer Marmelade aus Roten Beeren mit roten Zwiebeln und verschiedenen Honigsorten. Und zum Schluss gibt’s ein Reis-Törtchen mit Schokoladesauce…. Alle Gerichte sind authentisch, die Zutaten sprechen für sich, kein unnötiges Chi-chi, der Service ist aufmerksam charmant. Uns jedenfalls hats geschmeckt. Im Menu inbegriffen waren auch Prosecco, roter Munaloss (ja, denselben, den wir schon auf unserer Dachterrasse genossen hatten) sowie Tarlap. Und natürlich Caffè, auch à la vigezzino mit Grappa, Rahm und Zucker.

Am Sonntag frühstücken wir nochmals im Miramonti, geniessen die Sonne auf der Terrasse und fahren zurück bis Domodossola. Weil wir nicht den Eurocity von Milano nach Hause nehmen wollen, sondern einen IC, der in Domo startet, haben wir noch gut 2 Stunden Zeit, um mal wieder durch Domo zu schlendern. Und was soll ich sagen: Das Da Sciolla ist nach wie vor einen Besuch und eine Übernachtung wert. Aber die Stadt selbst sieht erschreckend gleich aus wie vor 10 Jahren, als wir das allererste Mal dort waren. Und gleich aussehen bedeutet nach so langer Zeit eben auch: etwas verlotterter. Schade eigentlich. Aber ja: Santa Maria Maggiore hat uns viel mehr geboten als wir je gedacht hätten. Und ich empfehle allen, die nach Domo auf den Markt gehen, doch einfach mal die 50 Minuten bis Santa Maria Maggiore weiterzufahren. Es lohnt sich. Auch deshalb, weil die vielen Geschäfte und Feinkostläden samstags bis abends geöffnet sind. Und am Sonntagvormittag auch. Und man bekommt dort alles, was das Herz begehrt. A presto.

Die teilnehmenden Konsortien der Serate di Gola, die die kommenden Termine und vieles mehr sind online aufbereitet: auf der Seite Lago Maggiore.

PS: Warum man in Domo und Umgebung so gut isst? Weils im Piemont liegt. Auch das wäre so ein kleines Aha-Erlebnis…

PPS: Ein Dorf weiter, in Toceno, wurde übrigens 1794 Johan Peter Jelmoli geboren. Er heiratete Anna Maria Ciolina. Beide Geschäfte gibt’s heute noch in Zürich und in Bern.

 

Worte zur Werbung – Discovern mit der Migros

Es begann mit diesem Tweet:

Letztlich sei es «Geschmackssache», antwortet das Social Media Team der Migros auf meinen patzigen Kommentar auf den obigen Tweet: …. «eher peinlich» …. Nun ja, als Social Media Manager muss man so eine Antwort geben, auf 140 Zeichen kann und will man nicht diskutieren. Und ja, ich hätte noch antworten können, dass der Grat zwischen gutem und schlechtem Geschmack ein schmaler sei, aber erstens will ich nicht als Troll dastehen und zweitens führt die Geschmacksschiene aufs Abstellgleis (sorry, war zu lange bei der SBB tätig). Und drittens bin ich wirklich der Meinung, dass peinlich ein ganz treffendes Adjektiv ist.

Warum? Weil die Migros eine Schweizer Firma ist, eine Urschweizer Marke. Eine Marke, die es sogar geschafft hat, bei Ihrer Kundschaft ein spezielles Markengefühl hervorzurufen. Denn in der Schweiz sozialisierte Menschen bezeichnen sich durchaus als Migros-Kind (alternativ als Coop-Kind, Aldi möchte jetzt auch liebend gerne auf diesen Zug aufspringen – sei still SBB).

Klammer auf: Migros-Geschäfte gibt’s mit ganz wenigen Ausnahmen nur in der Schweiz: in der Deutschschweiz, in der Westschweiz und im Tessin. Warum ich das so detailliert aufzähle? Weil in allen diesen Teilen der Schweiz eine eigene Sprache gesprochen wird: Schweizer Dialekt, mehr oder weniger Hochdeutsch, Westschweizer Französisch und Tessiner Italienisch. Selbstverständlich auch Englisch, im ganzen Land ein wenig, hauptsächlich in Zürich und Genf. Und im Marketing…. Klammer zu.

Und nun hat also die Migros eine App (nein, ich habe sie nicht auf meinem Smartphone, ich glaubs jetzt der Migros einfach) und die hat eine Funktion namens «discover». Das alleine führt mich zur simplen Frage: warum Englisch? Ich denke mal laut nach: «Zielgruppe sind die vielen urbanen Menschen, die zwar irgendwie kochen möchten, denen aber beim Anblick eines in der Migros zu findenden Lebensmittels überhaupt nicht in den Sinn kommen will, was man damit kochtechnisch anstellen könnte. Und da diese Menschen ja sowieso den ganzen Tag lang chatten, snappen und whatsappen und ihre Musik streamen, damits dann im Zug eher chillig und nicht so stressig wird, ist ja klar, dass die bei der Migros was discovern wollen. Weil schliesslich sagt man ja auch googeln und nicht suchen ….»

Weil schliesslich sagt man ja auch googeln und nicht suchen

Jou. Mit diesen zumeist englisch angehauchten Wörtern ist es jedoch so: Die Menschen nützen sie von selbst und bauen sie von selbst in ihre Sprache ein. So, wies ihnen gefällt und vor allem so, wie es in ihrer Peer Group am angesagtesten ist (und weil ja Marketer und Onliner auch eigene Peer Groups bilden, ist auch klar, warum dort alle gleich sprechen. Man möchte schliesslich dazugehören, nicht wahr). Was aber nicht funktioniert, wirklich nicht, ist, wenn das Marketing und die dazugehörige Kommunikation den Leuten sagt, wie sie zu sprechen haben. Das ist, und da sind wir wieder am Anfang der Geschichte: eher peinlich. Und ich erlaube mir die Frage: Ob man so seine Zielgruppe nicht in die Pfanne haut?

 

Sonnenspiel aufm Gurten

… einfach.

«Ich schreibe, seit ich denken kann. Und ja, man darf das gerne auch in seiner Doppeldeutigkeit verstehen.»

Willkommen bei  Textonia Texteuse aka Nora Marten und viel Vergnügen beim Stöbern.

PS: Nur so als Info: Die Inhalte auf der Seite (Texte und Fotos) gehören mir. Auch die Texte und Fotos auf der verlinkten Facebook-Seite. (Die Texte, die ich für die SBB geschrieben habe, gehören der SBB.) Das nennt sich Urheberrecht. Wer Texte zitieren, weiterverwenden oder gar verkaufen möchte, benötigt zwingend mein Einverständnis. Vor Verwendung, versteht sich.